Debatte ums Berliner Humboldt Forum: Kein Ende gut, alles gut


Kurz vor der Eröffnung des Humboldt Forums erinnern Kritiker an die verdrängte Frage der Ausstellung von kolonialer Beutekunst.

Susanne Memarnia | taz

Fertig! Ab nächstem Jahr soll man auch sehen können, was drin ist im neuen Schloss Foto: dpa

Stellen Sie sich für einen Moment vor, es gäbe kein Berliner Schloss, das an diesem Mittwoch – zumindest digital – eröffnet wird. Stellen Sie sich vor: Die Kritik an dem wilhelminischen Prunkbau und seinem musealen Inhalt, die sich durch all die Jahre zieht, seit der Bundestag 2002 den Abriss des Palasts der Republik und die Schloss-Rekonstruktion beschloss, hätte etwas bewirkt. Das Schloss wäre, weil die Mächtigen eingesehen hätten, dass ihre Idee Murx war, ebenso „rückgebaut“ worden wie der Palast – und etwas ganz anderes wäre entstanden. Ein Ding namens Barazani.

Barazani bedeutet in Kiswahili unter anderem Forum oder Versammlung. Anstelle des Schlosses ist also ein Raum entstanden für Versammlungen, Diskussionen, Zusammenkünfte, in dem die Perspektiven jener zu Wort kommen, die von den europäischen Kolonialmächten unterjocht und ausgeraubt wurden und bis heute von Europa nicht wirklich gehört werden.

Mit diesem Gedanken spielt barazani.berlin. Die Webseite, die sich im Untertitel „Forum Kolonialismus und Widerstand“ nennt, im Umfeld des Bündnisses Decolonize Berlin entstanden ist und am Montagabend online ging, zeichnet den vielfältigen Protest und die Kritik am Humboldt Forum nach „und sucht nach einem aufrichtigen und angemessenen Umgang mit den generationsübergreifenden Traumata, die Kolonialismus und Imperialismus bis heute verursachen“.

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