EU setzt Telegram auf Piraterie-Watchlist


Seit 2018 gibt die EU-Kommission eine „Counterfeit and Piracy Watch List“ heraus. In der aktuellen Fassung, die diese Woche erschien, finden sich neben einschlägig bekannten Sharehostern, Referrern und Arzneimittelanbietern auch zwei Überraschungen: VKontakte das russische Facebook, und der russische Messengerdienst Telegram, der in anderen Ländern gerne von Oppositionellen genutzt wird (vgl. „Barbarischer Akt“: Todesstrafe für einen Dissidenten in Iran).

Peter Mühlbauer | TELEPOLIS

Bild: TP

Dienste weisen Anschuldigungen zurück

Den Angaben der EU-Kommission nach entstand die Liste aus einer Konsultation von „Stakeholdern“, deren Meldungen man von „unparteiischen und verlässlichen Quellen“ überprüfen ließ. Telegram sei Stakeholdern aus dem Verlagswesen, der Musikindustrie und dem Fernsehbereich als Problem gemeldet worden. Dabei hätten die Melder beklagt, dass das Unternehmen Beschwerden über das Teilen von Inhalten und Links nur „unzureichend“ nachkomme. Außerdem habe man bei der Zusammenstellung der Liste auch berücksichtigt, wie populär Dienste sind – und Telegram sei inzwischen alleine für Android-Geräte mehr als 100 Millionen Mal heruntergeladen worden.

Telegram entgegnete auf die Anschuldigungen, man reagiere auf berechtigte Beschwerden binnen 24 Stunden und habe alleine auf Meldungen der italienischen Autorità per le Garanzie nelle Comunicazioni (AGCOM) hin 26 Kanäle gelöscht. Darüber hinaus gehe man „sehr erfolgreich“ gegen Terrorpropaganda und Kinderpornografie vor.

Über VKontakte, wo inzwischen über 500 Millionen Profile angelegt wurden, beschwerte sich der EU-Kommission zufolge unter anderem „audiovisuelle Industrie“, die sich an eingebetteten Videoplayern stört. Weitere Beschwerden kamen von Verlegern, die das Teilen von Lehrbüchern beklagten. Hier sei es durch die Möglichkeiten zur Gruppenbildung und die Suchfunktion auch Fremden möglich, geteilte Inhalte zu finden und herunterzuladen.

Dieses Portal entgegnete auf die Vorwürfe, es habe 1,36 Millionen Immaterialgüterrechtsbeschwerden bearbeitet und auf den Großteil davon mit einer Entfernung der Inhalte binnen 24 Stunden reagiert. Zusätzlich setze man nun Software zur automatischen Erkennung solcher Inhalte ein und mache User nun nicht mehr nur in den Nutzungsbedingungen, sondern bei jedem Upload darauf aufmerksam, dass sie Immaterialgüterrechte beachten müssen. Ein großer Teil der Bewegtbilder werde aber von russischen Fernsehsendern und anderen Rechteinhabern selbst hochgeladen.

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