Verschollene Fundstücke: Auf der Spur der indigenen Schädel


Im Jahr 1884 besuchte der berühmteste Arzt Kanadas sein Vorbild Rudolf Virchow – und brachte ihm vier Schädel von Ureinwohnern mit. Nun fordern Indigene die Rückgabe. WDR, NDR und SZ haben die Schädel wiedergefunden.

Markus Grill, David Bruser | tagesschau.de

Depot der Berliner Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte in Berlin | Bildquelle: BGAEU

In Kanada ist William Osler eine Berühmtheit. Nach ihm sind Universitäten, Schulen und sogar mehrere Krankheiten benannt. Der Arzt und Wissenschaftler aus dem 19. Jahrhundert hat 1884 sein ebenso berühmtes deutsches Vorbild Rudolf Virchow besucht. In einem Brief berichtet Osler von diesem Besuch und schreibt, dass er Virchow vier Schädel von Indigenen in Kanada mitgebracht habe.

„Nicht der herzliche Dank, auch nicht die fröhliche, freundliche Begrüßung erfreute mich so sehr wie die prompte Identifizierung des Schädels, den ich mitgebracht hatte, und seine schnelle Skizze der Schädelcharaktere des nordamerikanischen Indianers“, schreibt Osler.

Jahrzehntelang im Depot verschollen

Mehr als 130 Jahre nach dem Besuch Oslers in Berlin hat eine gemeinsame Suche von WDR, NDR und „Süddeutscher Zeitung“ (SZ) zusammen mit der größten kanadischen Tageszeitung, dem „Toronto Star“, die Schädel wieder zum Vorschein gebracht. Sie lagern heute in einem hellgrauen Pappkarton im Berliner Vorort Friedrichshagen im Depot der Berliner Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte (BGAEU).

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