Warum untersagen die Niederlande Gottesdienste an Heiligabend?


Deutschland diskutiert, die Niederlande schaffen Fakten: Am 24.12. werden im ganzen Land keine öffentlichen katholischen Gottesdienste gefeiert. Das hat mit der Mentalität des Landes zu tun – und gibt vielleicht schon einen Blick in die Zukunft. 

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DOMRADIO.DE: Die katholische Kirche in den Niederlanden hat alle öffentlichen Gottesdienste an Heiligabend abgesagt. Ist diese Entscheidung der niederländischen Bischöfe überraschend?

Prof. Dr. Jan Loffeld (Professor für Praktische Theologie in Utrecht und Priester des Bistums Münster): Wenn man sich die ganze Entwicklung während der Corona-Krise anschaut, dann haben die niederländischen Bischöfe eigentlich immer sehr eindeutig reagiert. Im März hat man etwa schon alle Gottesdienste bis Pfingsten abgesagt. Insofern passt diese Entscheidung gut ins Bild.

DOMRADIO.DE: Dabei muss man auch sagen, dass Heiligabend in den Niederlanden nicht diese große Rolle spielt, wie in Deutschland.

Loffeld: Das ist tatsächlich ein wenig anders. Der eigentlich emotionale Abend ist der 5. Dezember, der Vorabend vom Nikolaustag. Da steht das Land so still wie bei uns an Heiligabend und alle sind zuhause.

Die Weihnachtsgeschenke gibt es am ersten Weihnachtstag. Der 24.12. ist für viele ein normaler Arbeitstag, an dem man sich schon mal einen „gezellige borrel“ – deutsch Umtrunk  – gönnt. Gefeiert wird der 25.12., wobei seit einigen Jahren in den großen Städten wie Rotterdam oder Amsterdam einige Supermärkte sogar geöffnet haben. Man möchte hier vermutlich der Tatsache Rechnung tragen, dass nicht alle Einwohner des Landes wirklich Weihnachten feiern, sei es aus religiösen oder persönlichen Gründen.

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