Nordsyrien: Bundesregierung holt IS-Frauen zurück


Trotz der offensichtlichen Kontakte vermeidet die Bundesregierung nach wie vor, die Gespräche und Verhandlungen mit der Selbstverwaltung offiziell zu bestätigen

Elke Dangeleit | TELEPOLIS

Links auf dem Bild Georg Stückel vom Auswärtigen Amt, rechts Dr. Abdulkarim Omar, Außenbeauftragter der Autonomieverwaltung; Foto: Selbstverwaltung v. Nord- und Ostsyrien

Eine Delegation des Auswärtigen Amtes besuchte vergangenes Wochenende gemeinsam mit dem finnischen Sondergesandten des Außenministeriums die demokratische Selbstverwaltung Nord- und Ostsyriens in Qamishlo.

Grund der Konsultation war die Rückführung von drei deutschen IS-Frauen mit ihren Kindern sowie weiterer deutscher und finnischer Waisenkinder. Das Gespräch fand in Qamishlo mit dem Ko-Außenbeauftragten der Demokratischen Selbstverwaltung von Nord- und Ostsyrien, Dr. Abdulkarim Omar, statt.

Grund der Konsultation war die Rückführung von drei deutschen IS-Frauen und sieben Waisenkindern. Die Frauen und Kinder befanden sich in dem Lager für IS-Angehörige al-Roj. Bei den Frauen handelt es sich um Leonora M. aus Sachsen-Anhalt mit ihren beiden Kindern; Merve Aydin aus Hamburg-Wilhelmsburg mit ihren beiden in Syrien geborenen Kindern und Yasmin A. aus Bonn.

Der Fall von Leonora M. hatte bundesweit Schlagzeilen gemacht, weil sie 2015, im Alter von 15 Jahren, nach Syrien ausgereist war und als Drittfrau mit ihrem deutschen Mann, Martin Lemke aus Zeitz, eine Ezidin mit ihren Kindern als Sklavin gehalten hatte. Lemke arbeitete für den IS-Geheimdienst und sitzt jetzt in einem Gefängnis für IS-Terroristen in Nordsyrien.

Die Rückführung wurde monatelang vorbereitet. Es ist die dritte Rückführung von IS-Frauen und Kindern nach Deutschland. Im August 2019 wurden erstmals drei Waisenkinder und ein krankes Baby zurückgeholt, im November 2019 unterzeichnete der deutsche Vizekonsul in Erbil, Sven Krauspe, bei einem Besuch in Nordsyrien ein Rückführungsprotokoll für drei weitere IS-Kinder. Die Bundesregierung hat sich lange mit Verweis auf eine fehlende konsularische Vertretung bei der Rückführung von IS-Anhängerinnen herausgeredet.

Experten warnen seit langem, der Aufenthalt in kurdischen Camps könne Frauen erneut radikalisieren und Kinder traumatisieren. Deutsche Gerichte hatten nach Klagen von Angehörigen der IS-Mitglieder entschieden, dass die deutschen Staatsbürger nach Deutschland überführt und ggf. der Justiz übergeben werden müssten.

Solange das Problem der deutschen konsularischen Vertretung in Nordsyrien nicht geklärt ist, könnte das deutsche Konsulat in Erbil/Nordirak diese Aufgaben übernehmen – was es de facto schon tut. Es gibt Treffen zwischen der Selbstverwaltung von Nord- und Ostsyrien mit Konsulatsvertretern aus Erbil, syrische Bürger und Amtsträger stellen ihre Visaanträge für Auslandsreisen in Erbil.

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