Kohlendioxid klimaneutral in Kraftstoffe umzuwandeln, ist schwierig und teuer, aber nicht unmöglich. Wie man dank effizienter und günstiger Katalysatoren das Treibhausgas zur Herstellung von Kerosin noch besser nutzen kann, zeigen jetzt britische Forscher.
Manfred Lindinger | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Synthetische Kraftstoffe stehen hoch im Kurs. Sie gelten neben der Elektrifizierung des Straßenverkehrs als Hoffnungsträger, um den Ausstoß von Kohlendioxid (CO₂) vor allem im Schwerlastverkehr sowie in der Schiff- und der Luftfahrt in den kommenden Jahrzehnten drastisch zu reduzieren, wie es die europäischen Klimaziele erfordern. Die Treibstoffe – Benzin, Diesel und Kerosin – sollen dazu nicht mehr aus Erdöl-Raffinerien stammen, sondern in großem Maßstab möglichst klimaneutral aus Wasserstoff und Kohlendioxid hergestellt werden. Idealerweise würde man Kohlendioxid den Abgasen fossiler Kraftwerke entnehmen oder direkt aus der Luft filtern. Der Strom für die Reaktionen könnte aus erneuerbaren Quellen stammen.
Zur Produktion der synthetischen Treibstoffe greift man auf ein Verfahren zurück, das man seit rund hundert Jahren kennt – die Fischer-Tropsch-Synthese. Dabei werden aus dem Synthesegas – einer Mischung aus Kohlenmonoxid und Wasserstoff – gasförmige und flüssige Kohlenwasserstoffe erzeugt. Das Verfahren hatten einst die beiden Chemiker Franz Fischer und Hans Tropsch am Kaiser-Wilhelm-Institut für Kohlenforschung in Mülheim an der Ruhr entwickelt. Weil man als Rohstoff auch Kohlendioxid nutzen kann, erlebt das Verfahren im Zuge der angestrebten Energiewende und Klimaneutralität bis zur Jahrhundertmitte eine Renaissance.