Hunger im Klimawandel

Kaffeeduft

Während die kapitalistische Klimakrise die Ernährungsbasis der Menschheit bedroht, beweist das morsche politische System mit der europäischen Agrarreform seine Reformunfähigkeit

Tomasz Konicz | TELEPOLIS

Können Sie auf Kaffee verzichten? Wie sieht es mit Schokolade aus? Oder Bananen? Binnen der kommenden Dekaden sind diese Nutzpflanzen, die einen festen Bestandteil der Diät in den Industrieländern bilden, von den Folgen des Klimawandels bedroht. Der morgendliche Kaffee oder die nachmittägliche Schokoladendosis – sie könnten wieder zu einem Luxuserlebnis, zu einem Statussymbol werden, das der breiten Masse der Bevölkerung nicht mehr zugänglich ist.

Rasch ansteigende Temperaturen, zunehmende Dürren und Extremwetterereignisse sowie das drohende Umkippen ganzer Ökosysteme im globalen Süden würden Studien zufolge die Anbaugebiete vieler tropischer Nutzpflanzen hart treffen. Mitunter handelt es sich nicht mehr um bloße Prognosen.

Binnen der letzten fünf Jahre sind die Ernteerträge der Kakaobohne in Ghana – einem der wichtigsten Anbaugebiete dieser Nutzpflanze – um rund 30 Prozent zurückgegangen. Als zentrale Ursache dieser Ernteeinbußen wird der Klimawandel in der Region angegeben, da dieser zu starken Witterungsschwankungen führt, die den sensiblen Kakao-Pflanzen zusetzen. Immer öfter auftretender Regenmangel führt dabei ebenso zu Ausfällen wie zunehmender Starkregen, der mit Pilzbefall einhergeht.

Neue alte Luxusnahrung?

Anfang 2020 veröffentlichte Studien des International Center for Tropical Agriculture (CIAT) warnen, dass dies nur der Beginn einer dramatischen Entwicklung sei. Der Kakao sei demnach in seinen bisherigen Anbaugebieten am Äquator auf ein Gleichgewicht aus tropischer Temperatur, hoher Luftfeuchtigkeit gleichmäßigen Regelfällen angewiesen, das bei rasch steigenden Temperaturen gestört werde.

Bis zur Jahrhundertmitte könnten demnach rund 90 Prozent der Anbauflächen in Ghana und der Elfenbeinküste für die Kultivierung der Kakaobohne nicht mehr geeignet sein. Da diese beiden westafrikanischen Staaten rund 60 Prozent der globalen Kakao-Produktion erwirtschaften, drohe laut dem CIAT schon ab dem Jahr 2030 eine Versorgungslücke: der weltweite Bedarf werde nicht mehr befriedigt werden können, was zu einer Preisexplosion führen dürfte.

Beim Kaffee droht in den kommenden Jahrzehnten ein Verlust von rund der Hälfte der Anbauflächen, so eine 2019 veröffentlichte Prognose des World Coffee Research Instituts. Die wichtigsten derzeitigen Kaffeeanbaugebiete könnten durch den Klimawandel zerstört werden, der bereits das sensible klimatische Gleichgewicht in den Anbaugebieten störe.

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