Tannen: Ein weithin unzeitgemäßer Baum


Markant und verkannt: Forstwirt Wilhelm Bode zeigt an der Tanne, was in unseren Wäldern schon seit Jahrhunderten aus dem Ruder läuft.

Andrea Diener | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Im Schwarzwald haben sich dank kleiner Waldbauern, die keinen großen Forstumbau betrieben haben, besonders viele Weißtannen erhalten: Blick vom Feldberg über den Südschwarzwald. Bild: Picture-Alliance

Sie müssen jetzt ganz stark sein: Tannenzapfen haben nichts mit Tannen zu tun. Auch Tannenhäher haben nichts mit Tannen zu tun. Und das Etikett des „Tannenzäpfle“-Biers der badischen Staatsbrauerei zeigt auch nicht die Fruchtstände der Weißtanne, sondern die der Fichte. In den meisten Wäldern stehen kaum noch Tannen, und richtige Wälder sind das eigentlich ohnehin kaum.

Wer kann schon auf Anhieb Tanne von Fichte unterscheiden? Dabei ist die Tanne eigentlich ein sehr markanter Baum mit seiner flachen Benadelung, seinen aufrecht stehenden Zapfen und seiner runden Storchennestkrone im ausgewachsenen Zustand. Man findet die Tanne allerdings nur noch selten in den Wäldern, denn Tannen brauchen einen Mehrgenerationenwald, eine geschützte Kinderstube unter großen Bäumen in jungen Jahren, um zu mächtigen Exemplaren von bis zu mehreren hundert Jahren heranzuwachsen. Ein Fichtenforst ist pflegeleichter und einträglicher. Man pflanzt diese eigentlich aus dem hohen Norden stammenden Nadelbäume einfach hin, und da wachsen sie auch schon, ohne besondere Bedürfnisse.

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