Videoaktivismus: Instrument für Menschenrechte und Emanzipation


Heute wird im Zusammenhang mit den sozialen Medien fast nur noch davon gesprochen, dass die rechten und irrationalen Gruppen dort mittlerweile hegemonial wären, ja sogar ein „Digitaler Faschismus“ aus dem Netz die bürgerliche Demokratie bedroht, so die These der beiden Sozialwissenschaftler Maik Fielitzsch und Holger Marcks. Oft wird beklagt, dass vor 20 Jahren das Internet ein Versprechen von mehr Emanzipation und Demokratie bedeutet habe. Doch dieses Versprechen sei einer großen Enttäuschung gewichen.

Peter Nowak | TELEPOLIS

Bild: Pixabay License

Dieses Lamento liest man in linken und liberalen Kreisen öfter. Doch stimmt dieser pessimistische Befund überhaupt? In einem kleinen Buch, das unter dem Titel „Bewegungsbilder“ im Verlag Bertz und Fischer erschienen ist, zeichnen Britta Hartmann, Jens Eder und Chis Tedjasukmana ein viel differenzierteres Bild.

Die drei Autoren sind Medienwissenschaftler mit dem Schwerpunkt Film. Eder lehrt an der Universität Potsdam, Hartmann und Tedjasukmana lehren an der Bonner Universität. Das Trio verschließt keineswegs die Augen vor dem rechten Agieren im Internet. Darauf gehen sie in den Schlussbemerkungen ein, der schon in der Überschrift „Videoaktivismus im Kampf um demokratische Vielfalt“ an den linksliberalen Narrativen anknüpft. Von Klassenkampf im Videoaktivismus liest man bei ihnen nur im historischen Teil. Dabei gibt es beispielsweis auf der Plattform labournet.tv sehr viele aktuelle Beispiele dafür.

Es ist ein Archiv des Videoaktivismus im Arbeiterkampf geworden. Doch das kleine Buch ist wegen der vorherigen Kapitel empfehlenswert, in denen an vielen Beispielen aufgezeigt wird, dass längst nicht nur Rechte sehr aktiv in den sozialen Netzwerken sind.

Videos im Social Web haben sich zu mächtigen Mitteln der politischen Auseinandersetzung um Menschenrechte, Migration, Umweltzerstörung oder Kriegsverbrechen entwickelt. Von Kampagnenvideos über Zeugenvideos zu Videoblogs und Mashups – aktivistische Webvideos verbreiten sich in digitalen Netzwerken und bringen affektive Öffentlichkeiten hervor. Doch mit dem Aufstieg von Lügen, Propaganda und Hetze im Social Web entbrennt zugleich ein globaler „Krieg der Bilder“.

Aus der Einleitung von Bewegungsbilder

Eine kleine Linkauswahl dieses nichtrechten Videoaktivismus findet sich am Ende des Buches: Verwiesen wird beispielsweise auf den Werkzeugkasten für Videoaktivismus und eine Plattform über Organizingstrategien im Medienaktivismus. Wer sich für das Thema Zeugenvideos interessiert, kann sich über blog.witness.org informieren. Dabei handelt es sich um Berichte übe Menschenrechtsverletzungen, beispielsweise in Syrien.

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