Rechtsstreit wegen Interviews: Unterlassener Respekt


Der Vorsitzende der AfD Ostfriesland zieht gegen die Trägerin des Nationalen Integrationspreises vor Gericht.

Katharina Schipkowski | taz

Streitet vor dem Hamburger Landgericht mit ihrem ehemaligen Professor: Bjeen Alhassan Foto: Miguel Ferraz

Noch immer erlebe sie frustrierende Momente, in denen sie glaubt, in Deutschland niemals wirklich akzeptiert zu werden, sagte Bjeen Alhassan der taz im Oktober. Jetzt ist wieder so ein Moment: Die Preisträgerin des Nationalen Integrationspreises muss sich vor Gericht mit dem Vorsitzenden des AfD-Kreisverbands Ostfriesland streiten – wegen des taz-Interviews und eines NDR-Beitrags.

Alhassan berichtet im taz-Interview von ihrer Masterarbeit an der Uni Emden, die der Professor Reiner Osbild begleitete – der AfD-Kreisverbandsvorsitzende. Osbild kandidiert aktuell für einen Listenplatz der AfD für den Bundestag. Er schreibt außerdem für die rechte Zeitung Junge Welt(sic?), hält den AfD-Parteichef Jörg Meuthen für viel zu gemäßigt und findet, Worte wie Gender oder Schutzsuchender hätten im Vokabular deutscher Volksvertreter nichts zu suchen. In der Begleitung der Masterarbeit habe er sie respektlos behandelt, wirft sie ihm vor.

Osbild sieht seine Persönlichkeitsrechte verletzt und klagt auf Unterlassung. Einen entsprechenden Antrag hat er beim Hamburger Landgericht eingereicht. Alhassan versuche lediglich, das schlechte Ergebnis ihrer Masterarbeit zu rechtfertigen, indem sie dem Professor Rassismus unterstelle, argumentiert Osbilds Anwalt.

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