Silvester ohne Feuerwerk?


Trotz Verkaufsverbot dürfen Privatpersonen in vielen Bundesländern Raketen abfeuern. Dabei würde nicht nur das Gesundheitswesen von einem Feuerwerksverbot profitieren.

Susanne Aigner | TELEPOLIS

Grafik: TP

Das Abfeuern von Feuerwerksraketen bleibt in privaten Haushalten in nahezu allen Bundesländern erlaubt, mit Ausnahme von Hamburg, wo es mit Bußgeldern geahndet wird. Normalerweise darf man Raketen, die man noch vom Vorjahr übrig hat, vor der eigenen Tür abfeuern. Das ist wohl auch ein Grund dafür, warum sich Menschen, die an der französischen Grenze wohnen, im Nachbarland mit Pyrotechnik eindecken – sogar mit Feuerwerkskörpern, die in Deutschland gar nicht zugelassen sind. Nur in Augsburg klagt ein Rechtsanwalt gegen das durch die Stadt erlassene Feuerwerksverbot auf Privatgrund.

Die pyrotechnische Industrie, die nach eigenen Angaben 95 Prozent ihres Jahresumsatzes im Dezember erwirtschaftet, wird in diesem Jahr wohl deutlich weniger Umsatz machen. Im Zweifel drohe die Insolvenz eines gesamten Wirtschaftszweiges, klagt Thomas Schreiber, Vorstandsvorsitzender des Verbandes der pyrotechnischen Industrie (VPI). Er fordert staatliche Hilfsgelder, um die 3.000 Einzelexistenzen in der Branche zu sichern.

Dabei kommt das Verbot nach allen vorangegangenen Lockdown-Entscheidungen nicht wirklich überraschend. Zahlreiche andere Unternehmen haben Verluste zu beklagen. Warum sollte ausgerechnet eine Industrie, die Feuerwerkskörper herstellt, von Einbußen verschont bleiben? Wenn etwas nicht systemrelevant ist, dann sind es doch Raketen, die aus purem Vergnügen in den Nachthimmel geschossen werden. Zumindest Krankenhäuser, Unfallchirurgen, Hand- und Augenfachärzte düften froh sein, wenn sie zum Jahresende keine zusätzlichen Schwerverletzte behandeln müssen.

Freuen können sich diejenigen, die schon immer gegen die Feuerwerke gewettert haben – wie die Deutsche Umwelthilfe (DUH). Erstmals werde der irre Brauch der Bundesregierung gestoppt, zum Jahreswechsel Sprengstoff in die Hände von Betrunkenen zu geben, erklärt Jürgen Resch. Der DUH-Geschäftsführer sieht darin eine Chance, neue Silvesterbräuche zu entwickeln, die weder Mensch, Tier noch Umwelt schädigen.

Jedes Jahr werden zur Neujahrsnacht Millionen Euro in die Luft geschossen. Am Tag darauf sind die Straßen komplett zugemüllt. Nach Angaben der DUH fallen allein in Berlin, Hamburg, München, Köln und Frankfurt/Main an Sylvester jeweils rund 200 Tonnen Abfall aus Feuerwerkskörpern an. Die Umweltorganisation fordert die Kommunen auf, großflächige Verbotszonen einzurichten. Dabei dürfe auch kein illegal beschafftes oder gelagertes Feuerwerk zum Einsatz kommen.

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