Dschinn: Grüße aus der Parallelwelt


Dschinn werden oft als Flaschengeister dargestellt, die Wünsche erfüllen. Damit haben die im Koran erwähnten „Geister“ aber wenig zu tun. Sie werden eher als Wesen einer Parallelwelt beschrieben, die auf das menschliche Leben einwirken können.

Nina Goldmann | religion.ORF.at

Persische Darstellung von der Tötung eines Ghul aus dem 10. Jahrhundert Wikipedia/Public Domain/Wellcome Library CC BY 4.

Der bekannteste Dschinn ist wohl der Flaschengeist aus „Aladin und die Wunderlampe“ aus der Märchensammlung „Tausendundeine Nacht“, und seit den Verfilmungen des Stoffs weiß man auch: Es ist ein Er und er ist blau. In den 1960er Jahren zauberte die „bezaubernde Jeannie“ mit einem Augenzwinkern die verrücktesten Abenteuer herbei.

Dschinn-Figuren in Geschichten, Filmen und Serien sind oft liebenswert, praktisch, witzig und abenteuerlich oder aber furchteinflößend, wie eine ganze Reihe von Psychothrillern und Horrorfilmen zeigt. Mit dem, was im Islam unter Dschinn verstanden wird, haben sie alle wenig zu tun.

Gestaltlos in einer Parallelwelt

Dschinn werden als „Geistwesen aus einer parallelen Welt“ gesehen, sagte Michael Reidegeld, Islamwissenschaftler und Islamlehrer an der kirchlich-pädagogischen Hochschule Wien/Krems im Gespräch mit religion.ORF.at. Im Islam gelten sie als eigene Schöpfungsart und als Wesen, die Gott nach den Engeln und vor den Menschen schuf. Es werden ihnen bestimmte Eigenschaften und Charakterzüge zugeschrieben sowie ein freier Wille. Es wird davon ausgegangen, dass es gute und böse Dschinn gibt.

Der Koran widmet den Dschinn (männlich: Dschinni, weiblich: Dschinniya, Mehrzahl: Dschinn) eine ganze seiner 114 Suren (Sure 72). Darin „sprechen“ die Dschinn selbst und es geht daraus hervor, dass es Gläubige und Ungläubige unter ihnen gibt. Als Geistwesen gelten sie als gestaltlos, im Volksglauben können sie aber verschiedene Gestalten annehmen.

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