Katholisches als Fremdkörper in der deutschen Politik?


Die Berufung auf christliche Werte wie Nächstenliebe und Bewahrung der Schöpfung gehören zum festen Repertoire vieler deutscher Politiker. Doch 2020 wurde der Graben zwischen katholischer Kirche und Politik tiefer.

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Der katholischen Kirche wehte 2020 im politischen Berlin der Wind ins Gesicht. Immer wieder zeigten sich der Wertewandel und die Distanz vieler Politiker zur Kirche und ihren Anliegen. Deutlich wurde dies auch in der Corona-Pandemie. Für den Vertreter der katholischen Bischöfe in Berlin, Prälat Karl Jüsten, „ist nicht mehr eindeutig zuzuordnen, wer das Wertekorsett der Kirche teilt“. Das gelte inzwischen „auch für Kernbereiche wie den Lebensschutz“. So agiert die Kirche öfter mit wechselnden Allianzen, zumal bei ethischen Fragen, wo die Meinungen quer durch die Parteien gehen.

Wie sich traditionelle Bindungen aufgelöst haben, zeigte sich zum Beispiel am 16. Januar bei der Schlussabstimmung zur Stärkung der Organspende. Die beschlossene „Zustimmungslösung“ trug zwar den „rechtlichen, ethischen und seelsorglichen Bedenken“ der Kirchen im Grundsatz Rechnung. Der Staat würde mit der Widerspruchsregelung „tief in den Kernbereich der menschlichen Existenz und Würde eingreifen“, hatten die Bischöfe gemahnt. Für viele Unionsabgeordnete wogen aber offenbar die Anliegen der Organempfänger schwerer. Wie bei der „Ehe für alle“ zeigte sich, dass die „C“-Parteien nicht mehr stets der natürliche Partner für die katholische Kirche sind.

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