Lieferengpässe: Wo bleibt der Impstoff?


In Berlin und andernorts müssen Impfwillige warten. Linke und Liberale fordern Massenproduktion, Gesundheitsminister wiegelt ab. Ein Kommentar

Wolfgang Pomrehn | TELEPOLIS

Einmal, ein einziges Mal ist in Berlin eine Baustelle rechtzeitig fertig geworden. Als am 27. der Startschuss zur bundesweiten Impfkampagne fiel, war die Bundeshauptstadt tatsächlich gerüstet.

Die Impfzentren standen, Impfteams waren gebildet, die Alten- und Pflegeheime hatten rechtzeitig für Einverständniserklärungen gesorgt und Listen von Impfwilligen zusammengestellt. Und die Impfbereitschaft unter den Heimbewohnern und -mitarbeitern ist hoch. Anders übrigens als in einigen anderen Bundesländern.

Doch nun stockt es schon wieder, und das Problem liegt diesmal nicht im üblichen Kompetenzwirrwarr an der Spree. Verbockt hat es das Spahn-Ministerium oder das ihm unterstellte Beschaffungswesen, das ja unbedingt militarisiert werden musste.

Schließlich ist die Pandemie auch eine gute Gelegenheit, um die Bevölkerung an den von den Autoren des Grundgesetzes eigentlich nicht gewollten Einsatz der Bundeswehr im Inland zu gewöhnen. Deshalb müssen Soldaten ja jetzt auch unbedingt in Kampfmontur mit der Bahn fahren.

Markt oder Vorsorge

Jedenfalls hat der Markt es offensichtlich mal wieder nicht gerichtet. Wie auch. Gegen eine Pandemie würde Vorsorge, Lagerhaltung, wohlüberlegte Forschungspolitik und Planung helfen.

Und das Gerede vom freien Markt ist ohnehin nur etwas für die Gutgläubigen. Im Hintergrund hat die Bundesregierung immerhin dafür gesorgt, dass großzügig Mittel für die Entwicklung eines Impfstoffs zur Verfügung gestellt wurden.

Natürlich hätte die entsprechende Forschung und Entwicklung auch an einem öffentlichen Hochschulinstitut stattfinden können. Die diversen Pharmaunternehmen hätten schon im Frühjahr angehalten werden können, entsprechende Produktionskapazitäten vorzubereiten.

Technisch ist das sicherlich nicht ganz einfach und hätte unter anderem Kommunikation zwischen den Betrieben und den Entwicklern erfordert. Doch unmöglich sollte dies nicht sein. Nur ist es eben in einer Kultur der Konkurrenz und der Betriebsgeheimnisse eine besondere Herausforderung.

weiterlesen