Es war ein Millionengeschäft, von dem auch General Guisans Sohn profitierte. Nach Kriegsende sorgte der Handel mit den Nazis für Empörung. Doch bestraft wurde niemand. Ein Blick zurück.
Marc Tribelhorn | Neue Zürcher Zeitung

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wird auch in der Schweiz abgerechnet – mit Verrätern, Anpassern, Profiteuren. Das Motto der folgenden Monate lautet «Säuberung». Es werden nicht nur Nazi-Sympathisanten an den Pranger gestellt, sondern auch Fälle von Misswirtschaft, etwa Korruption und überhöhte Spesenbezüge in Internierungslagern und der Verwaltung. Im Dezember 1945 kommt ein weiterer Skandal hinzu: Er betrifft das Schweizerische Holzsyndikat, ein im Krieg für den Export gebildetes Konsortium aus Bau-, Schreiner- und Zimmermeistern sowie Holzhändlern.
Was die Presse über den Handel mit Holzbaracken berichtet, ist wenig appetitlich: «Hartnäckig wird behauptet, dass trübe Geschäfte mit der SS abgeschlossen worden seien und dass gewisse schweizerische Unterhändler dabei grosszügig verdient hätten. Mit Provisionen, ja sogar Bestechungsgeldern sei nicht gespart worden», schreibt die «Schaffhauser Arbeiterzeitung». Besonders brisant ist, dass im Zusammenhang mit diesen Deals ein berühmter Name fällt – Oberst Henry Guisan, der Sohn des Oberbefehlshabers der Schweizer Armee, Henri Guisan.