Wirtschaftsweise: Industrie hat Klimaschutz aufgehalten


Zukunftsfähige Energietechnologien bieten riesiges wirtschaftliches Potenzial. Veronika Grimm kritisiert, die Industrie habe den Strukturwandel verlangsamt.

Jürgen Kuri | heise online

(Bild: Daniel AJ Sokolov)

Die Nürnberger Volkswirtschaftsprofessorin und „Wirtschafsweise“ Veronika Grimm hat der deutschen Industrie vorgeworfen, den Strukturwandel hin zu mehr Klimaschutz zu lange bewusst verlangsamt zu haben. „Man darf nicht verschweigen, dass die Industrie teilweise versucht hat, diesen Strukturwandel aufzuhalten. Das kann sich nun rächen, wenn entscheidende Komponenten für eine klimafreundlichere Wirtschaft nicht aus Europa kommen“, sagte Grimm gegenüber dpa.

Auch die Politik habe ihren Anteil an diesem Problem. „Die Strukturen haben dies begünstigt. Die Politik hat zum Beispiel bereitwillig immer wieder die Produktion von Verbrennermotoren gestützt und dadurch den Druck, Veränderungen anzustoßen, gering gehalten“, sagte Grimm. „Man hat zu kurzfristig gedacht und Bestandserhaltung betrieben. Das hat sich ex post als nicht klug herausgestellt“, betonte die Wirtschaftsweise.

Im Verkehr sei es bisher nicht gelungen, seit 1990 die CO2-Emissionen zu reduzieren. Durch die Verschärfung der Klimaziele in der EU und in Deutschland entstehe nun ein erheblicher Handlungsdruck, schon mit Blick auf das Jahr 2030. „Gerade im Verkehr stehen wir vor großen Herausforderungen, zehn Jahre sind bezogen auf die Fahrzeugflotte eigentlich gar nichts“, betonte Grimm.

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