Corona und Religion: Reiter der Apokalypse


Unter Christen gibt es radikale Corona-Leugner. Doch anders als oft behauptet, bilden die Fundamentalisten nicht das Rückgrat der „Querdenken“-Bewegung. Trotzdem ist nicht unproblematisch, was dort bisweilen gepredigt wird.

Reinhard Bingener, Rüdiger Soldt | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Demonstration gegen die Corona-Maßnahmen vor dem Brandenburger Tor Mitte November Bild: dpa

Wer sich auf die Suche macht, der findet. Zum Beispiel Jakob Tscharntke, den Pfarrer einer Freikirche im württembergischen Riedlingen. Die Videos seiner Predigten sind für jedermann im Netz abrufbar. Tscharntke steht mit einer lilafarbenen Krawatte hinter seinem Rednerpult und versucht, die Menschen in Deutschland zu erreichen, die, wie er sagt, noch nicht kapituliert haben „vor Merkel, Spahn, Söder und Co. und den Hintergrundmächten, die dahinterstehen“. Tscharntke ist einer großen Verschwörung auf der Spur: Corona als Trick der Mächtigen, um die Leute zu knebeln.

„Ich hätte derart satanisch-bösartige Eingriffe in das Leben christlicher Gemeinden und unseres ganzen Volkes, auch in unsere persönlichsten familiären Angelegenheiten und Freiheiten vor dem Offenbarwerden des Antichristen nicht erwartet“, sagt Tscharntke. In den „kommenden Zeiten der Not“ werde man erfahren, „wie wichtig funktionierende Ehen und funktionierende, intakte Familienverhältnisse sind“, prognostiziert er. „Und gerade deshalb will Satan diese ja auch zerstören und die Herrschenden in unserem Land auch. Nichts anderes ist ja auch das Ziel von Social Distancing.“

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