Robert Koch und die Verbrechen von Ärzten in Afrika


Zu Kolonialzeiten war es üblich, dass Forscher skrupellos mit Afrikanern experimentierten, allen voran die Deutschen. Auch Robert Koch zwang kranke Menschen in Konzentrationslager und testete an ihnen neue Gegenmittel. Die Gräueltaten der kolonialen Tropenmedizin wirken bis heute.

Julia Amberger | Deutschlandfunk

Robert Kochs Einbindung in das preußische Militär erleichterte ihm seine Forschungsexpeditionen – und weist zugleich auf ein wesentliches Motiv für die deutsche „Tropenmedizin“ hin (picture alliance/ullstein bild/Haeckel Archiv)

Vor acht Jahren lebte Ahmat Hassan noch im Tschad. In Gouro, einem 8000-Einwohner-Dorf am Rande der Sahara, arbeitete er für das Bildungsministerium. Mittags trafen zwei Toyota-Pickups ein, den Kofferraum voller Spritzen und Fläschchen. Drinnen saßen zehn Männer, die vom Gesundheitsministerium angelernt worden waren, um die Kinder im Dorf gegen Meningitis zu impfen.

„Dieses Team hat etwa 500 Kinder zwischen einem und 15 Jahren geimpft. In kürzester Zeit sind drei Kinder krank geworden und ihr Zustand verschlechterte sich. Sie wackelten mit dem Kopf, übergaben sich, hatten Durchfall. Trotzdem haben sie bis zum dritten Tag weitergemacht.“

106 von 500 Kindern: krank. 40 davon schwer. So berichtet es Hassan. Die Eltern brachten sie ins 250 km entfernte Krankenhaus. Zwei Wochen später kam der Präsident zu Besuch. Er ließ 38 Kinder in zwei Krankenhäuser der Hauptstadt N’Djamena bringen und sieben für weitere Untersuchungen nach Tunesien. Das belegt ein Dokument der Regierung. Doch statt den Ursachen auf den Grund zu gehen, habe der Präsident das Krankenhaus mit Militär umstellen lassen, erinnert sich Hassan. 

„Als die Kinder im Krankenhaus in N‘Djamena ankamen, hat er Journalisten an der Berichterstattung gehindert. Damals dachten wir uns, er hat etwas zu verbergen.“

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