Erzbistum Köln erläutert Verhalten bei der Missbrauchsaufarbeitung: „Wir benötigen ein solides Fundament zur Aufarbeitung“


Das Erzbistum Köln hat den Gutachter zur Aufarbeitung sexualisierter Gewalt gewechselt. Warum das erste Gutachten für den Aufklärungsprozess nichts taugt, erläutert der Bistumssprecher.

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DOMRADIO.DE: Der Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki steht in der Kritik. Ihm wird vorgeworfen, den sexuellen Missbrauch im Erzbistum Köln vertuschen zu wollen, weil er das Gutachten einer Münchner Anwaltskanzlei zum sexuellen Missbrauch, das er selbst in Auftrag gegeben hatte, unter Verschluss hält. Die Begründung dafür: Das Gutachten sei nicht rechtssicher und habe auch sonst massive methodische und wissenschaftliche Mängel. Nun gibt das Erzbistum Köln Journalisten die Gelegenheit, das Gutachten der Münchner Kanzlei einzusehen, um sich ein eigenes, unabhängiges Urteil zu bilden.

Was hat Sie denn dazu bewogen, zum jetzigen Zeitpunkt Journalisten Einsicht in das Münchener Gutachten zu geben?

Dr. Oliver Schillings (kommissarischer Pressesprecher des Erzbistums Köln): Wir haben Ende Oktober ja schon den Gutachterwechsel in einer Pressekonferenz begründet, allerdings in der Berichterstattung und auch bei Veranstaltungen in den letzten Wochen festgestellt, dass wir diese Begründung nicht ausreichend und gut genug kommuniziert haben.

DOMRADIO.DE: Können Sie das nochmal zusammenfassen, warum das erste Gutachten nicht veröffentlicht werden kann? 

Schillings: Sinn und Zweck des Gutachtens ist es, den Aufarbeitungsprozess solide und gerichtsfest vorantreiben zu können. Das Gutachten ist ja nur ein Element, ein Teil davon. Wir brauchen da aber wirklich eine Basis, von der ausgehend wir die Prozesse, die Prävention, die Intervention verbessern können. Durch die methodischen Mängel in diesem Gutachten wären wir mit diesen Gutachten nicht diesem Auftrag gerecht geworden. Wir hätten nicht die Verantwortlichkeiten sauber identifizieren und benennen können. Zweiter Punkt ist dieser äußerungsrechtliche Aspekt. Es geht ja auch um lebende Personen und auch da gilt eine Unschuldsvermutung erst einmal. Das heißt, ich brauche auch da eine solide Basis, um zu sagen: Wo kann ich Entscheidungen besser fällen, wo kann ich mehr Sensibilität, mehr Sorgfalt und Ähnliches in die Institution hineinbringen?

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