Hindu first – religiöse Spannungen in Indien


Seitdem der Hindu-Nationalist Narendra Modi Indien regiert, werden religiöse Minderheiten im Land zunehmend an den Rand der Gesellschaft gedrängt. Grund dafür ist das seit geraumer Zeit geltende und äußerst umstrittene neue Staatsbürgerschaftsgesetz.

Bernd Musch-Borowska, Henryk Jarczyk | BR24

Indien hat seit Kurzem ein äußerst umstrittenes Staatsbürgerschaftsgesetz. Das hat die Regierung von Ministerpräsident Narendra Modi und seiner hindu-nationalistischen Partei durchgesetzt. Damit wird nach Ansicht der Kritiker die sogenannte „Hindu-First-Politik“ forciert. Muslime, Christen und andere religiöse Minderheiten fühlen sich dadurch stark diskriminiert.

Radikale Hindus in Indien beschuldigen Muslime, für die Ausbreitung der Covid-19-Pandemie verantwortlich zu sein. Moscheen werden dementsprechend als „Corona-Fabriken“ verunglimpft. Und die Agitation geht sogar noch einen Schritt weiter. Mittlerweile ist auch vom sogenannten „Coronadschihad“ die Rede. Damit schürt die hinduistische Regierungspartei BJP ganz offen die seit Langem in Indien herrschenden anti-muslimischen Ressentiments zusätzlich. Was wiederum zu immer neuen blutigen Auseinandersetzungen führt.

Blutige Auseinandersetzungen nehmen zu

Die schweren Zusammenstöße zwischen Hindus und Muslimen in Delhi zu Beginn des vergangenen Jahres waren der vorläufige Höhepunkt der religiös motivierten Gewalt. Dutzende Menschen sind dabei auf zumeist brutale Weise getötet worden, Hunderte wurden verletzt. Die Opfer, vorwiegend junge muslimische Männer, die über einen Zeitraum von drei Tagen – mit dem Schlachtruf „Jai Shri Ram – Sieg für Gott Rama“ von einem Hindu-Mob gejagt wurden, seien schutzlos gewesen, heißt es. Die Polizei, so der Vorwurf von Augenzeugen, habe schlicht weggeschaut. Schlimmer noch: Es soll sogar Polizisten gegeben haben, die sich an der brutalen Gewalt aktiv beteiligten. Ausgebrannte Moscheen, zerstörte und geplünderte Geschäfte und Wohnhäuser waren die Folge der Ausschreitungen. Die Angreifer seien mit unglaublicher Brutalität vorgegangen, erzählt der Direktor des Guru Teg Bahadur-Krankenhauses im Nordosten Delhis, Sunil Kumar Gautam.

weiterlesen

1 Comment

Kommentare sind geschlossen.