Un-Happiness Is A Warm Gun


Vor gut 40 Jahren wurde John Lennon in New York erschossen. Irgendeine Berühmtheit nebenan hörte den typischen Knall der Pistole, Peng, Peng, Peng und nochmal Peng, und dachte, es ist eine Schande, schon wieder erschießt die New Yorker Polizei irgendeinen unschuldigen Schwarzen.

Tom Appleton | TELEPOLIS

Bild: TP

Dass gerade eben ein kapitales Verbrechen an einem der berühmtesten weißen Männer passiert war, erfuhr besagte Celebrity erst später. Truman Capote war auch anwesend und erzählte nachher, genau in dem Moment, als John Lennon erschossen wurde, sei in dem Dakota Hochhaus, wo er (Lennon) wohnte, eine große dänische Dogge aus dem Fenster im 20. Stock hinaus gesprungen. Ebenfalls in den Tod. Vielleicht hatte der Hund einen besonderen Draht zu Lennon gehabt und wollte ihm zu Hilfe eilen? Oder Capote hat einfach nur gesponnen, er hatte ja so eine Sehnsucht danach, sich in Mordgeschichten („Kaltblütig“) mit hinein zu drängen.

Jedenfalls war der Täter ein junger Mann, der sich in Hawaii eine japanische Frau zugelegt hatte – von denen es in Hawaii nicht eben wenige gibt – und war damit schon mal in einer guten psychischen Disposition, um sich an Lennons Stelle in die Weltgeschichte einzuspinnen. Er würde Lennon werden, und die kleine Japanerin aus Hawaii würde Yoko sein.

Nun war es ja für einen Verrückten eine Kleinigkeit, sich in Lennons Welt hinein zu denken. Denn obwohl das jetzt quasi der weltgrößte Beatle war, so hatte er doch zum Beispiel nur eine geringe Kenntnis vom Blues und Rockenroll. Auf seinen herzlich unanhörbaren R&R-Nostalgie-Aufnahmen aus den Siebzigerjahren sticht eben grade mal ein Song hervor – den er nicht einmal selber geschrieben hat, aber so klingt, als hätte er ihn geschrieben. „Stand By Me“ – aber zu der Aufnahme war Paul McCartney eben zufällig nicht im Studio erschienen.

Im Grunde war Lennon eine Art Wild Man Fisher ohne Zappa, großartig mit einem fachkundigen Gehilfen, eher zweitrangig ohne einen solchen. Die vorher nicht einstudierten R&R-Nummern aus Montreal, Live mit Hilfe von Clapton und Co vorgetragen, konnten deshalb eben doch noch begeistern, weil die richtigen Hiwis mit dabei waren. Während Yoko natürlich ein bisschen langatmig daher wimmerte, aber man kann das auch eine Art Totengesang nennen. Es kommt eben auf die Stimmung an. Die finnischen Värttinä-Frauen singen nicht viel anders als Yoko, aber man hört deutlich, welche Hexenverfluchungen sie da vorbringen.

Gut möglich, dass Lennon nicht ahnte, oder nie ahnte, woher das Unheil ihn ereilen würde. Aber es war sicher nicht schwer, sich vorzustellen, wie das verrückte Mörderpaar aus Hawaii ihre Beute anpeilte.

Erst fahren wir nach New York, dann warten wir draußen vor dem Dakota. Dann gehst du auf ihn zu und lässt dir sein neues Album signieren. Dann folgen wir ihm nachher, wenn er aus dem Studio zurückkommt. Wenn Leute mit dabei sind, machen wir’s morgen, aber Security hat er ja keine, oder ist dir was aufgefallen? Nein.

Und also hingegangen und dann KNALL. „I think I’ve been hit“, ich glaub ich bin getroffen, sollen Lennons letzte Worte gewesen sein. Mark Chapman blieb stehen und wartete bis die Polizisten kamen, Yoko schrie, und die Japanerin aus Hawaii stand wie beim Zappelphillip aus dem Struwwelpeter dabei und schaute bloß stumm in die Runde.

weiterlesen