Eine Erfolgsgeschichte der Muslimbruderschaft


„…die Salafiyya ist die Botschaft, die Sunna der Weg und die Sufis sind die Wahrheit. Die Bruderschaft ist eine politische Organisation, eine kulturelle Gewerkschaft, Bildung, eine wirtschaftliche Körperschaft und eine soziale Idee.

Hassan al-Banna, Richard P.Mitchell, The Society of the Muslim Brothers, London: Oxford University Press,1969, p.14.

Am 6. März 1960 wurde die Münchner „Moscheebau-Kommission“ offiziell gegründet, später zunächst in „Islamische Gemeinschaft in Süddeutschland“, dann in „Islamische Gemeinschaft in Deutschland“ (IGD), und zuletzt in „Deutsche Muslimische Gemeinschaft“ (DMG) umbenannt Präsident dieser einflussreichen Organisation war bis 1968 Said Ramadan, der allerdings seinen Lebensmittelpunkt in die Schweiz verlegte und sich von Vertrauten wie Ali Ghaleb Himmat und Fazal i-Yazdani weitestgehend vertreten ließ.

Birgit Gärtner | TELEPOLIS

Grafik: TP

Teil 1: Die Geschichte des politischen Islam in Deutschland

Die IGD gehörte zu den Gründungsmitgliedern des Zentralrats der Muslime in Deutschland (ZMD), die Mitgliedschaft ruht seit dem 1.12.2019, wie der ZMD in einer Pressemitteilung bekannt gab. Demnach soll die Mitgliedschaft ruhen, bis die Vorwürfe des Verfassungsschutzes, die DMG stehe der MB nahe, entkräftet seien. Bis heute scheinen diese Vorwürfe allerdings nicht aus der Welt geschafft …

Said Ramadan folgte bis 1973 Fazal i-Yazdani als Vorsitzender, dann übernahm Ali Ghaleb Himmat den Vorsitz der Moscheebau-Kommission, bzw. IGD. Diesen gab er 2002 an Samir Falah ab, da die von ihm und u.a. Youssef Nada gegründete Al-Takwa-Bank laut Spiegel in den Verdacht geriet, Al-Quaida unterstützt zu haben. Youssef Nada soll laut Informationen von Ian Johnson (siehe Literaturverzeichnis am Ende des Artikels) die Finanzspritze in Höhe von einer Million D-Mark besorgt haben, die den Bau des IZM schließlich möglich machte.

Das Geld kam von Muammar al-Gaddafi, dem libyschen Revolutionsführer, dem laut Stefan Meining (siehe Literatur) die Verbindung der Münchner Gruppierung zur Muslimbruderschaft vermutlich nicht bekannt gewesen sei. Wie Ali Ghaleb Himmat lebt auch Youssef Nada in der italienischen Enklave Campione d’Italia, brachte es durch den Kauf von Zement an Saudi Arabien und Libyen zu einem beträchtlichen Vermögen und galt als hochrangiger Funktionär der MB.

2009 sorgte er für einen MB-internen Disput, nachdem er das Schiitentum als islamisch anerkannte. Beide Strömungen – Sunnitentum und Schiitentum – sind einander bekanntermaßen nicht immer sonderlich grün, die gemeinsamen Feinde Israel und die ägyptische Regierung unter Mubarak machten Annäherungen möglich. Allerdings arbeiten in Deutschland Schiiten und Sunniten seit Ende der 1950er Jahre zusammen.

Said Ramadan verlegte Anfang der 1960er Jahre seinen Lebensmittelpunkt in die Schweiz und gründete dort das „Islamische Zentrum Genf“. Er hatte die erste Niederlassung der MB in Jerusalem gegründet und kämpfte 1948 als Freiwilliger in Palästina, um die Gründung Israels zu verhindern. Das „Islamische Zentrum Genf“ war laut Stefan Meining das „Hauptquartier der Opposition gegen die Nasser-Regierung“, wie er in seinem Buch „Eine Moschee in Deutschland – Nazis, Geheimdienste und der Aufstieg des politischen Islam in Deutschland“ schreibt. Das Zentrum wird heute von Said Ramadans Sohn Hany geleitet, der unverschleierte Frauen schon mal mit einer 2-€-Münze vergleicht, die von allen gesehen werde und von Hand zu Hand ginge.

Ob es die Gründung des Zentrums in Genf war, die seine Zeit stark beanspruchte, oder ob Said Ramadan aus anderen Gründen das Interesse an der aktiven Mitarbeit an dem Münchner Projekt verlor, ist nicht bekannt. Allerdings hatte er dem Münchner Journalisten Meining zufolge enge Vertraute, die das Projekt in seinem Sinne vorantrieben. Dazu gehörte Ali Ghaleb Himmat, der zum Kassenwart bestimmt wurde und so von Anfang an eine bedeutende Rolle in der Organisation spielte, die er später 30 Jahre lang leitete. Ein weiterer Vertrauter Said Ramadans war laut Stefan Meining Fazal i-Yazdani, der 1968 den Vorsitz übernahm und als Präsident der „Islamischen Gemeinde Süddeutschland“ hauptberuflich den Bau der Moschee vorantrieb.

1973 übernahm Ali Ghaleb Himmat und blieb bis 2002 Präsident der heutigen DMG. 1988 gehörte er zu den Gründern der Al-Takwa-Bank, die in den erwähnten Verdacht geriet, Al-Qaida finanziert zu haben. Als stellvertretender Direktor der Bank geriet auch er unter Verdacht und war zeitweilig handlungsunfähig, weshalb er die Präsidentschaft der heutigen DMG an Ibrahim El-Zayat abgab. Im Juni 2005 stellte die Schweizer Staatsanwaltschaft die Ermittlungen gegen Ali Ghaleb Himmat ein. Seine Tochter Huda Himmat war später stellvertretende Vorsitzende des Forum of European Muslim Youth and Student Organizations (FEMYSO).

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