Kapitol-Schockwelle erfasst auch Frankreichs Rechte


Jahrelang versuchte die Rechtspopulistin Marine Le Pen vom Trump-Effekt zu profitieren – die Krawalle in Washington schaden ihr nun aber

Stefan Brändle | DERSTANDARD

Marine Le Pen muss zwischen verschiedenen rechten Position jonglieren. Foto: AFP/CARLOS COSTA

Marine Le Pen wechselt wieder einmal ihren Standpunkt. Nach dem Sturm auf das Kapitol in Washington bezeichnet sich die französische Präsidentschaftsanwärterin Marine Le Pen als „äußerst schockiert über die Bilder der Gewalt“. Bislang hatte die Anführerin der Nationalen Sammlungsbewegung (RN), ehemals Front National, dem Vorgehen des US-Präsidenten und seiner Anhänger systematisch applaudiert. Im November zog sie auch das Ergebnis der US-Wahl in Zweifel. „Die Partie ist noch nicht zu Ende“, erklärte sie damals, und: Joe Biden habe „absolut nicht gewonnen“.

Nun nimmt sie die Formalität der Wahlbestätigung zum Anlass, um umzusatteln. Sie findet sogar kritische Worte für Trump. Der Nochpräsident habe „zu wenig an die Wirkung seiner Worte auf die Leute gedacht“, räumte die 52-jährige Französin ein. Sie selbst „oder wer auch immer“ habe „keinerlei Mühe anzuerkennen, dass Joe Biden Präsident der USA ist“, sagt sie nun, als hätte sie das schon immer geglaubt.

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