Warum der „Patron“ trotz Haftstrafe noch immer nicht hinter Gittern ist


27 Mal wurde die Duldung von Ahmad A. erneuert. Das Clanmitglied ist zweifach verurteilt – und frei. Weil er angibt, Syrer zu sein, wird er nicht abgeschoben.

Frank Bachner | DER TAGESSPIEGEL

Anklage im Clanmilieu in Berlin.Foto: dpa

Im November 2017 trat Ahmad A. eine Tür ein und schlug mit einem Holzknüppel eine Frau nieder, ihr Sohn musste alles mit ansehen. Im Prozess wegen der Tat vor dem Amtsgericht Tiergarten warnte die Anwältin des Opfers dann A. eindringlich, sich dem Opfer noch mal zu nähern. Der vielfach vorbestrafte A., Mitglied des berüchtigten Miri-Clans, wurde zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von zwei Jahren und drei Monaten verurteilt. Das war am 28. Januar 2020.

Fast ein Jahr später hat Ahmad A. unverändert die Möglichkeit, der misshandelten Mutter zu begegnen. Er hat nicht bloß seine 27. Duldung erhalten, weil er erklärt, Syrer zu sein, er ist auch nach wie vor frei. Und das, obwohl das Urteil seit September 2020 rechtskräftig ist.

Martin Steltner, der Pressesprecher der Staatsanwaltschaft, sagt: „Bis er in eine Zelle kommt, könnte es noch länger dauern.“ Denn Ahmad A., der sich in der Öffentlichkeit „Patron“ nennt, profitiere von einer „atypischen Konstellation in seinem Verfahren“, sagt Steltner.

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