Polnische Justiz: Madonna, ein Richter und ein Attentat


Nach Polens Justizreform sehen Kritiker Gerichtsurteile zunehmend als politisch motiviert an. Auch die Nähe von Kirche und Staat spielt dabei eine Rolle.

Olaf Bock, Michael Reinartz | tagesschau.de

Eine Unterstützergruppe der angeklagten Elzbieta P. zeigt die von ihr gestaltete Madonna – und der Botschaft: „Ein Regenbogen ist keine Beleidigung“. | Bildquelle: AP

Nicht ganz zwei Jahre nach der angeblichen Entweihung der Jungfrau Maria durch Regenbogen-Symbolik ist im polnischen Plock ein Prozess gegen drei Frauen eröffnet worden. Ostern 2019 waren in der Nähe einer Kirche in der rund 100 Kilometer von Warschau entfernten Stadt Aufkleber angebracht worden, die ein Bildnis der berühmten Schwarzen Mutter Gottes von Tschenstochau zeigen. Diese und das Jesuskind in ihrem Arm waren darauf mit einem Regenbogen versehen worden, der wie eine Art Heiligenschein über ihren Köpfen schwebt.

Der Regenbogen als Symbol der LGBT-Bewegung in Verbindung mit einem der höchsten heiligen Nationalsymbol: Das war zu viel für zahlreiche Vertreter der katholischen Kirche und Politiker der Regierungspartei. Eine Zeugin der Anklage sagte zum Prozessauftakt: „Selbst Ungläubige zeigen normalerweise Respekt vor der Kirche“. Sie habe als Angehörige der Kirchengemeinde sofort den Pfarrer informiert.

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