Nicht nur Freaks


Die Anhänger des Qanon-Verschwörungsmythos haben nur auf ein Signal zum Losschlagen gewartet. Die Erstürmung des Kapitols sollte den Endkampf gegen das Böse einleiten.

Elke Wittich | jungle world

Nach der Erstürmung des Kapitols wird das Gebäude besser gesichert. Mitglieder der Nationalgarde vor dem ­Kapitol in ­Washington, D.C., 10. Januar Bild: picture alliance / Ted S. Warren

ür die Anhänger der Qanon-Verschwörungstheorie dürfte der Aufruf von US-Präsident Donald Trump das lange erwartete Signal gewesen sein. Trump hatte auf der »Stop the Steal«-Kundgebung am 6. Januar seine Anhängerschaft dazu aufgerufen, vor dem Kapitol gegen angebliche Wahlfälschungen zu protestieren. In Qanon-Kreisen hatten seit Wochen Aufrufe zu der Kundgebung kursiert.

Schlagwörter wie »der Sturm« oder »das Erwachen« haben zentrale Bedeutung für die Qanon-Gläubigen, die einen »Endkampf« gegen »das Böse« erwarten. Gemeint sind damit Liberale, Juden, Schwarze, Muslime und allgemein alle, die anderer Meinung sind. Nach blutigen Auseinandersetzungen und öffentlichen Hinrichtungen aller Gegner, so die Prophezeiung von »Q«, werde »dem Volk« die Macht zurückgegeben, mit Trump als zentraler Führungsfigur. Unter dem Pseudonym »Q« hatte 2017 eine Person begonnen, angebliche Insiderinformationen aus dem Weißen Haus auf dem Imageboard 4-Chan zu veröffentlichen.

Für die Beteiligung von Qanon-Anhängern an der gewaltsamen Erstürmung des Kapitols haben die Medien rasch ein Symbol gefunden: den halbnackten, tätowierten Jake Angeli, der mit gehörnter Fellkappe auf dem Kopf als »Qanon-Schamane« schon länger bei extrem rechten Versammlungen Verschwörungsbotschaften verbreitetet. Mit solchen plakativen, freakigen Bildern wird die Bewegung jedoch verharmlost. Anhänger von Qanon sind in allen gesellschaftlichen Schichten zu finden; ihre Gefährlichkeit würde durch Bilder von uniformierten Nazis weitaus besser illustriert.

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