Großkonflikt zwischen Staat und Kirche: Reichsgründung und Kulturkampf


Kaum hatte Bismarck das Deutsche Reich geschmiedet, brach er den Konflikt mit der katholischen Kirche vom Zaun. Es war ein erbittert geführter Kampf um die Rolle der Religion im modernen Staat. Katholiken trugen traumatische Erinnerungen davon.

Christoph Arens | katholisch.de

„Es handelt sich hier um einen großen Kulturkampf.“ Der Mediziner und liberale Reichstagsabgeordnete Rudolf Virchow gab dem gesellschaftlichen Großkonflikt seinen Namen. Vor 150 Jahren, kurz nach der Gründung des Deutschen Reiches, eskalierte der Streit zwischen katholischer Kirche und Regierung in Preußen-Deutschland. 2021 ist deshalb nicht nur ein zentrales Gedenkjahr für den deutschen Nationalstaat. Die Katholiken in Deutschland verbinden mit 1871 zugleich Erinnerungen, die lange traumatisch nachwirkten.

Von Anfang an gab es Spannungen. Am 8. Juli 1871 löste der preußische Ministerpräsident und Reichskanzler Otto von Bismarck die Katholische Abteilung im preußischen Kultusministerium auf, die Interessenvertretung der Katholiken im überwiegend protestantischen Preußen. Das war der Auslöser für einen erbittert geführten Kampf um das Verhältnis zwischen Kirche und Staat. Erst 1878 kam es wieder zu einer Annäherung. Diplomatisch beigelegt wurde die Krise erst ein Jahrzehnt später. 1887 erklärte Papst Leo XIII. den „Kampf, welcher die Kirche schädigte und dem Staat nichts nützte“, für beendet.

weiterlesen