Verschickungskinder: Diakonie arbeitet Gewalt in „Erholungsheimen“ auf


Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen viele Kinder in Kurheime. Doch wo sie gesunden sollten, wurde ihnen oft Gewalt angetan. Die Diakonie Niedersachsen stellt sich nun als erste Einrichtung diesem dunklen Kapitel ihrer Geschichte.

Michael Hollenbach | Deutschlandfunk Kultur

Trauma statt Erholung: Ehemalige Verschickungskinder berichten von Vernachlässigung und Gewalt im Waldhaus Bad Salzdetfurth. (Picture Alliance / dpa / Hauke-Christian Dittrich)

In einem Kurhaus der Inneren Mission in Bad Salzdetfurth bei Hildesheim erstickte im März 1969 der siebenjährige Stefan an Erbrochenem. Kurz darauf starb Kirsten an einer Infektion. Und im Mai 1969 wurde der dreijährige Andre von drei Sechsjährigen zu Tode geprügelt.

Der Tod hätte verhindert werden können

Obwohl die Staatsanwaltschaft damals notierte, dass der Tod bei „ausreichender personeller Besetzung“ hätte verhindert werden können, sah sie dennoch keinen Hinweis auf eine Verletzung der Aufsichtspflicht. Dies ist zu lesen in einer Dokumentation, die das Diakonische Werk Niedersachsen Ende November vorgelegt hat. Hans-Joachim Lenke ist dessen Vorstandssprecher:

„Bad Salzdetfurth ist insofern besonders gravierend, weil es hier diese drei Todesfälle gab, von denen wir wissen, und das ist ja in der eigenen Vorstellung so ziemlich das Schlimmste, was einem passieren kann, dass man sein Kind zu einer Kurmaßnahme schickt und es kommt im Kindersarg wieder.“

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