Kreationismus: „kreuz und quer“-Premiere für „Wir glauben an die Arche Noah“


Unter den Anhängern von Noch-US-Präsident Donald Trump ist die Ideologie des Kreationismus weit verbreitet: der Glaube, dass die Bibel Wort für Wort wahr sei – auch in naturwissenschaftlichen Fragen. Gott habe demnach die Welt buchstäblich in sechs Tagen erschaffen, Theorien über die Evolution seien Verschwörungstheorien gegen den wahren Schöpfungsglauben.

Pressemitteilung ORF

Der Einfluss der Kreationisten auf Bildung, Wirtschaft und Politik wächst in den USA stetig. Mehr als ein Drittel der amerikanischen Bevölkerung glaubt an die Arche Noah und sieht die biblische Schöpfungsgeschichte als historischen Tatsachenbericht. Der neue „kreuz und quer“-Film „Wir glauben an die Arche Noah“ von Monica Long Ross und Clayton Brown begleitet am Dienstag, dem 19. Jänner 2021, um 22.35 Uhr in ORF 2 den Geologen Dan Phelps und David McMillan, einen ehemaligen Kreationisten, bei ihrem Versuch, das Glaubenssystem des Kreationismus und seine Verstrickungen in Wirtschaft und Politik näher zu beleuchten. Allein im Kabinett Trump 2017–2020 sind drei Minister sowie Vizepräsident Mike Pence bekennende Kreationisten. Um 23.25 Uhr folgt Christian Rathners Dokumentation „Satans Rauch. Die Gegner des Papstes“.

„Wir glauben an die Arche Noah“ – Ein Film von Monica Long Ross und Clayton Brown (ORF-Bearbeitung: Doris Hochmayr)

Seit 2016 steht eine Arche auf einem Feld nahe Williamstown in Grant County, Kentucky – 155 Meter lang, 26 Meter breit, 16 Meter hoch – getreu nach den Angaben der Bibel. In ihrem Inneren ist die komplette Erdgeschichte aus der Sicht der Kreationisten zu entdecken. Die Arche ist das Herzstück eines gerade entstehenden Themenparks, des Arc Encounters, der das Gedankengut der Junge-Erde-Kreationisten auf anschauliche Weise verständlich machen soll. Nach ihrer Ansicht sind unser Planet und all seine Lebewesen höchstens 10.000 Jahre alt. Wie im 1. Buch Mose beschrieben, hat Gott die Welt in sechs Tagen erschaffen. Das Erdalter lässt sich anhand der Altersangaben der biblischen Figuren recht genau feststellen. Die Schau zeigt lebensgroße animatronisch gesteuerte Sauriernachbildungen und biblische Figuren, Schautafeln und Videos – in betont wissenschaftlicher Aufmachung. Sie soll beeindrucken, bekehren, Seelen retten. Denn wer das Wort Gottes bezüglich der Entstehung der Erde und all ihrer Geschöpfe in Zweifel zieht, ist kein Christ. Evolutionstheorien und all ihre Begleitwissenschaften – das Werk des Teufels.

Das ruft Gegner auf den Plan, die die Machenschaften von Answers in Genesis, der Betreiberorganisation des Arc Encounters, genauer unter die Lupe nehmen. Sie entdecken Unregelmäßigkeiten in der Finanzierung, Steuertricks, unlautere Vertragsbedingungen für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Arc Encounters. Eine Auseinandersetzung in Gerichtssälen, Zeitungen, TV-Auftritten und Social Media zieht noch tiefere Gräben zwischen Kreationisten und jene Christen, die die Evolutionstheorie als erweiterte, wissenschaftliche Erklärung für Gottes Schöpfung anerkennen.

Rund 40 Prozent der Amerikaner/innen glauben daran, dass die Erde nicht älter als 10.000 Jahre ist, so die Ergebnisse einer Gallup-Studie aus 2019. Nicht zuletzt ist dieser rege Zuspruch charismatischen Figuren wie Ken Ham geschuldet. Er ist der Initiator der Attraktion biblischen Ausmaßes in Kentucky. Der gebürtige Australier gründete in den USA die Glaubensgemeinschaft Answers in Genesis, die neben dem Arc Encounter auch ein großes Kreationismus-Museum in Petersburg, Kentucky, betreibt. Ziel von Answers in Genesis ist neben der Gewinnung von neuen Anhängerinnen und Anhängern vor allem auch die Anerkennung des Junge-Erde-Kreationismus als Naturwissenschaft. „Gottes Wort ist wahr und nicht hinterfragbar“, meint Georgia Purdom vom Kreationismus-Museum in Petersburg. „Wenn wir die Bibel nicht in einem Stück als wahr erachten, ist die gesamte Heilige Schrift nicht mehr glaubwürdig.“ Die Molekulargenetikerin sieht den Inhalt der Bibel als historischen Tatsachenbericht, den es gilt, wissenschaftlich zu untermauern.

„Satans Rauch. Die Gegner des Papstes“ – Ein Film von Christian Rathner

Seit dem Amtsantritt von Papst Franziskus schienen offene Diskussionen wieder möglich. Doch die Reformkräfte sind zunehmend frustriert, weil konkrete Schritte ausbleiben. Letzteres liegt auch an der entgegengesetzten Front: Aus dieser Richtung, die jede Reform unterbinden will, hagelt es Angriffe auf Papst Franziskus – aus dem deutschsprachigen Raum ebenso wie aus den USA und anderen Ländern:
Reaktionäre Gruppen – international gut vernetzt – gehen so weit, dem Papst vorzuwerfen, er verbreite selbst Irrlehren, er sei somit ein „papa haereticus“. Diese Angriffe kommen ausgerechnet aus Milieus, die sich unter Johannes Paul II. und Benedikt XVI. als die einzig „Papsttreuen“ bezeichnet hatten. Wer sind diese Gegner des gegenwärtigen Papstes? Was ist ihr Kirchen- und Weltbild? Und von wem werden sie – und aus welchen Gründen – unterstützt?

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Am 19. Jänner um 22.35 Uhr in ORF 2, danach: „Satans Rauch. Die Gegner des Papstes“