Über Kinderkopftücher und noch wichtigere Dinge


Dass die Scharia, die allumfassende Rechtsordnung des Islam, Frauen eine Hijab-Pflicht vorschreibt, ist korrekt. Die Grundlagen im Koran finden sich in Sure 24, Vers 31 sowie in Sure 33, Vers 59. Auch wenn an diesen Stellen das arabische Wort für Kopftuch (hijab) nicht vorkommt, ist es in der islamischen Theologie grundsätzlich unstrittig, dass damit eine Verhüllungspflicht gegenüber Frauen aufgestellt wird.

Emrah Erken | Richard-Dawkins-Foundation

Die Scharia macht auch eine Angabe über den Zeitpunkt, ab wann eine Frau verhüllt werden soll.

Ich möchte zu diesem letzten Satz eine etwas längere Bemerkung abgeben, die mir wichtig erscheint.

Ich habe ganz bewusst nicht „sich verhüllen muss“ geschrieben, sondern „verhüllt werden soll“, weil die Durchsetzung dieser Pflicht der gesamten muslimischen Gesellschaft zukommt, also nicht nur der Trägerin. Damit ist auch ein Vater oder Mutter einer jungen Frau aufgefordert, sicherzustellen, dass die Verhüllungspflicht durchgesetzt wird. In jenen Staaten, wo die Scharia und staatliches Recht miteinander verschmolzen sind, wird sodann diese Pflicht vom Staat durchgesetzt, wie etwa im Iran oder in Saudi-Arabien. Natürlich setzen auch Bürger in diesen Staaten die Scharia durch, etwa im Iran, wo religiöse Bürger Frauen tätlich angreifen und manchmal sogar mit Säure bewerfen, weil sie aus ihrer Sicht den Hijab zu offen tragen. Es ist für mich sehr wesentlich, dass die Leserin oder der Leser den überindividuellen Charakter islamischer Normen erkennt und diese während der gesamten Lektüre dieses Essays im Gedächtnis behält. Das Beschriebene gilt übrigens bei weitem nicht nur im Zusammenhang mit der Verhüllungspflicht. Ein weiteres Beispiel ist etwa der Ramadan. In der Türkei werden immer wieder Nichtfastende von Religiösen beschimpft und tätlich angegriffen. Türkische Freidenker schliessen vor jedem Ramadan Wetten darüber ab, in welcher Provinz jemand als erster tätlich angegriffen wird. Wir haben es vorliegend mit einer Ideologie der Einmischung zu tun und nicht mit einer Religion im heutigen europäischen Verständnis, deren Praxis oder im umgekehrten Fall deren komplette Ablehnung komplett dem Individuum überlassen ist. Nach diesen Zeilen sollte auch klar sein, weshalb aus islamischer Sicht niemand den Islam verlassen kann, weil demnach einem Menschen ein solcher Entscheid darüber gar nicht zukommen kann. Selbstverständlich widerspricht dieses Verständnis diametral den Ideen hinter dem Grundrecht der Glaubens- und Gewissensfreiheit, so wie dieses Grundrecht zumindest in Europa verstanden wird.

Die Angabe über den Zeitpunkt, ab wann sich eine Frau verschleiern soll, findet sich nicht im Koran, der ersten und wichtigsten Rechtsquelle der Scharia, sondern in der Hadith-Literatur. Die Bedeutung dieser Sekundärquelle wird von vielen Menschen in Europa zu Unrecht unterschätzt, weil vor allem Hadithe Verhaltensregeln beinhalten und die Person „Mohammedzeichnen und definieren, dessen Beispiel Muslime folgen und seine Befehle und Verhaltensweisen befolgen müssen, zumindest jene, die es sehr genau nehmen wollen. Ausserdem existieren zahlreiche Kommentare zu diesen Schriften, welche die Verhaltensregeln konkretisieren.

Hier nun der Hadith aus einer der sechs kanonischen Hadith-Sammlungen, namentlich aus Sunan Abu Dawud in Band 34 über die Kleidung:

„Kapitel 1535: Was Frauen von ihrer Schönheit zeigen dürfen:

Erzählt von Aisha, der Ummul Mu’minin (Mutter der Gläubigen):

Asma, die Tochter von Abu Bakr ist vor den Propheten des Allah herangetreten und trug dabei dünne Kleidung. Der Prophet Allahs wandte sich von ihr ab. Er sagte: O Asma, wenn eine Frau das Alter der Menstruation erreicht, ziemt es sich für sie nicht, wenn sie ihre Körperteile sichtbar macht, außer das und das und zeigte dabei auf sein Gesicht und seine Hände.“

Aufgrund der Beschreibung dieser Szene kann man also im Umkehrschluss sagen, dass die Verschleierungspflicht bei kleinen Mädchen, welche ihre Menstruation noch nicht hatten, noch nicht gilt.

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