Sexualisierte Gewalt durch Priester: Tricksereien statt Aufklärungswille


Die Aufarbeitung sexualisierter Gewalt gegen Kinder in der katholischen Kirche stockt. Der Kölner Bischof Rainer Maria Woelki gerät nun unter Druck.

Philipp Gessler | taz

Zur Geisterstunde war’s, Punkt 12 Uhr. Da begann mit einem Vorspiel im Kölner Dom die Katastrophe. Nur wenige Gläubige waren in das riesige, spärlich erleuchtete Gotteshaus am Rhein gekommen. Routiniert spulte Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki mit ein paar Messdienern, zwei Weihbischöfen und viel Weihrauch die Christmette zu Heiligabend ab. Wegen Corona durften nur zwei Mädchen auf einer Empore singen.

Nach der Eucharistie schritt der Kardinal, ganz in weiß gekleidet, zum Ambo neben einem Busch weißer Weihnachtssterne und fand Worte der Entschuldigung – oder das, was er dafür hält: „Was die von sexueller Gewalt Betroffenen und Sie in den letzten Tagen und Wochen vor Weihnachten im Zusammenhang mit dem Umgang des Gutachtens zur Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt in unserem Erzbistum, was Sie an der Kritik darüber und insbesondere auch an der Kritik an meiner Person ertragen mussten – für all das bitte ich Sie um Verzeihung.“

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