Urteil gegen den buddhistischen „Lama“ Ole Nydahl


Immer wieder wurden dem auch in Deutschland wirkenden buddhistischen „Lama“ Ole Nydahl Rassismus und Islamophobie vorgeworfen. Fast ebenso oft versuchte er, sich gerichtlich gegen diese Vorwürfe zu wehren. Ein in dritter Instanz rechtskräftiges Urteil des Obersten Gerichtshofs in Wien gab nun allerdings Peter Riedl, dem Gründer und früheren Herausgeber der buddhistischen Zeitschrift „UrsacheWirkung“ Recht, der einige Äußerungen Nydahls als rechtsextrem und pauschal islamfeindlich bezeichnet hatte.

Dr. Alexander Benatar | EZW

Ole Nydahl stammt ursprünglich aus Dänemark und kam erstmals als junger Erwachsener während ausgedehnter Asienreisen Ende der 1960er mit dem tibetischen Buddhismus in Berührung. Nach eigener Aussage ließen seine Partnerin Hannah und er sich von Rangjung Rigpe Dorje, dem 16. Gyalwa Karmapa (höchsten Lama) der Karma-Kagyü-Tradition, in die Lehren des „Vajrayana“-(„Diamantfahrzeug“-)Buddhismus einführen. Ob Nydahls Einweisung in den Buddhismus tatsächlich einer vollumfänglichen Lama-Ausbildung entspricht, ist verschiedentlich bezweifelt worden. Jedenfalls habe der Karmapa ihn und seine Frau damit beauftragt, buddhistische Zentren im Westen zu eröffnen, um seine Lehre dort zu verbreiten. Ein Auftrag, dem die beiden gewissenhaft nachkamen. Weltweit gibt es inzwischen mehr als 600 Diamantweg-Zentren, deren deutsche Ableger sich im „Buddhistischen Dachverband Diamantweg e.V.“ (BDD) zusammengeschlossen haben.

„Lama Ole“ ist ein charismatischer Redner, der seine wachsende Anhängerschaft auf weltweiten Vortragsreisen mit der von ihm vertretenen Spielart des tibetischen Buddhismus vertraut macht. In seinen Kursen spielen jedoch nicht allein spirituelle Unterweisungen eine Rolle, sondern Nydahl nutzte seine Lehrveranstaltungen wiederholt als Bühne für rassistische und islamfeindliche Einlassungen. Bestehende globale Ungerechtigkeiten bezeichnete er dabei als Folge negativen Karmas, bedauerte die Rettung muslimischer Flüchtlinge aus dem Mittelmeer und rief zur Wahl der in Teilen rechtsextremen und vom Verfassungsschutz beobachteten Partei „Alternative für Deutschland“ (AfD) auf. Um einem Ausschluss aus der Deutschen Buddhistischen Union (DBU) aufgrund solcher und ähnlicher Aussagen seines prominentesten Vertreters zuvorzukommen, erklärte der BDD bereits 2019 seinen Austritt aus dieser buddhistischen Dachorganisation (vgl. MD 08/2019, S. 305f).

Auslöser des Verfahrens vor dem Wiener Gericht nun waren Äußerungen Nydahls während einer eigentlich der buddhistischen Lehre gewidmeten Veranstaltung im März 2016 in Kassel, im Laufe derer er pauschal vor den Gefahren des Islam warnte. Belegt sind unter anderem seine folgenden beiden Zitate: „zu viel Islam und unsere Freiheit ist weg“ und „wer dem Koran folgt, der ist nicht genießbar in einer modernen Gesellschaft“. Auch auf kritische Rückfragen aus dem Publikum hin war er nicht dazu bereit, diese Aussagen noch weiter zu differenzieren. Er betonte vielmehr noch einmal: „Da ist immer Krach wo sie [die Muslime] sind.“ Aus Sicht des österreichischen Obersten Gerichtshofs sind diese Äußerungen „pauschal und islamfeindlich“, zudem zeige Nydahls Reaktion während der Veranstaltung in Kassel, dass es ihm gar nicht „um differenzierte Kritik ging.“

Wer andere Menschen aufgrund ihrer religiösen Identität pauschal diffamiert, stellt eine Gefahr für den sozialen Frieden in unserer offenen Gesellschaft dar. Dass dies im Falle Nydahls inzwischen auch letztinstanzlich bestätigt wurde, ist begrüßenswert.