Zollner: Kirche übernimmt nicht Verantwortung, sie „druckst rum“


Nach wie vor seien vielen kirchlichen Führungspersonen ihre Karrieren wichtiger als die Übernahme von Verantwortung in Sachen Missbrauch: Experte Hans Zollner richtet mahnende Worte an die Kirchenleitung – und sagt, wann und warum Priester häufig Täter werden.

katholisch.de

Bild: ©CCP

Der Leiter des Kinderschutzzentrums CCP in Rom, Hans Zollner, erwartet von kirchlichen Führungspersonen, dass sie persönlich Verantwortung übernehmen. Die Kirche habe „eine besondere moralische Verantwortung“, sagte der Jesuit im Interview des Schweizer Portals kath.ch (Dienstag). „Wenn jemand Schuld auf sich geladen hat, muss er oder sie auch dafür geradestehen, wie jeder Politiker, jeder Funktionär“, so Zollner. Nach wie vor seien vielen aber Karrieren wichtiger als die Übernahme von Verantwortung.

Der Ordensmann wirft der Kirchenleitung vor, sich vor einer „anderen Einstellung zu drücken“; „wir geben die Schuld nicht zu – sondern es muss uns jedes Schuldbekenntnis abgerungen werden; wir bereuen nicht – sondern verteidigen Täter und Vertuscher. Wir übernehmen keine Verantwortung – sondern drucksen rum und setzen unsere Karrieren und Reputation an die erste Stelle.“ Zu konkreten Fällen äußerte sich Zollner in dem Interview nicht. Menschen in- und außerhalb nähmen der Kirche „nicht mehr ab, dass wir es ernst meinen mit Aufarbeitung und Prävention“, sagte das Mitglied der päpstlichen Kommission für den Schutz von Minderjährigen. „Wenn wir hier nicht tun, was wir sagen, wie sollen die Leute dann glauben, was wir über Jesus, die Erlösung, die Sakramente sagen?“

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