DNA-Spuren aus der Umwelt zeigen, was dem Auge entgeht


Ein neuer Forschungsansatz revolutioniert zurzeit weite Teile der Biologie. Erbgutspuren in der Umwelt liefern Informationen über versteckt lebende Organismen oder die Zusammensetzung ganzer Artengemeinschaften.

Kurt de Swaaf | Neue Zürcher Zeitung

Per Umwelt-DNA ließen sich Silberkarpfen in Chicagos Kanalsystem nachweisen.USFWS Mountain-Prairie/ flickr.com (CC BY 2.0)

Tot oder lebendig. Die Gesuchten waren bis zu anderthalb Meter lang und an die 50 Kilo schwer – keine kleinen Fische also. Ihr mutmasslicher Aufenthaltsort: der Chicago Sanitary and Ship Canal (CSSC). Christopher Jerde ahnte bereits vor Jahren, dass asiatische Karpfen der Gattung Hypophthalmichthys dort herumschwammen. Belegen konnte der Biologe das aber nicht. Niemand hatte die Tiere bis dahin gesehen, geschweige denn gefangen. Im Mississippi und in vielen seiner Nebengewässer dagegen waren die Karpfen längst zu einer Plage geworden. 2009 drohten die eingeschleppten Fische über den CSSC, die Verbindung zum Michigansee, erstmals in die Great Lakes einzudringen. Mit potenziell katastrophalen Folgen für das dortige Ökosystem.

Marmorkarpfen (H. nobilis) und Silberkarpfen (H. molitrix) seien Planktonfresser, erklärt Jerde. Sie filterten ihre Nahrung aus dem Wasser und gingen Anglern deshalb nur selten an den Haken. Auch anderen herkömmlichen Fanggeräten wissen die Fische oft zu entgehen. Jerde und seine Kollegen mussten die Anwesenheit der Karpfen im CSSC allerdings beweisen, sonst würden die Behörden keine Gegenmassnahmen einleiten. Die Zeit drängte.

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