Graue Wölfe in Deutschland


Graue Wölfe in deutschen Parteien, bei der Bundeswehr, der Polizei und in Behörden – gruslig? Leider Realität

Elke Dangeleit | TELEPOLIS

Bild: TP

Anfang November 2020 verbot die französische Regierung die Grauen Wölfe. Im November 2020 forderte der Bundestag die Bundesregierung ebenfalls auf, ein Verbot der türkischen rechtsextremen Grauen Wölfe zu prüfen. Die Bundesregierung lehnte jedoch die Prüfung ab.

In der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der FDP-Bundestagsfraktion bestätigt sie zwar, dass Teile der Grauen Wölfe bemüht seien, „über die Nähe zu politischen Entscheidungsträgern und Parteien Einfluss auf den politischen Druck innerhalb der deutschen Mehrheitsgesellschaft zu nehmen“, berichtet ANF und beruft sich auf einen Beitrag in der Welt. Aber die juristischen Hürden für ein Verbot seien zu hoch.

Die Frage sei erlaubt, warum türkische Faschisten anders behandelt werden als deutsche Faschisten? Sind sie in Deutschland für den demokratischen Rechtsstaat weniger gefährlich als deutsche Faschisten? Mit über 18.000 Mitgliedern und über 170 Vereinen – andere sprechen von 300 Vereinen – in ihren drei Dachorganisationen sind sie mehr als dreimal so groß wie aktuell die NPD. Warum werden sie nicht ernst genommen? Ist dies erneut das „Drei-Affentheater“: „nichts sehen, nichts hören, nichts sagen“, um Erdogan nicht zu erzürnen?

Wer sind die Grauen Wölfe?

Es gibt verschiedene Selbstbezeichnungen der türkischen Faschisten. Sie selbst bezeichnen sich allgemein als „Graue Wölfe“ (türk. Bozkurt), angelehnt an dem mythischen Grauen Wolf, der die Turkvölker aus Innerasien nach Anatolien geführt hat. Es gibt aber keine Organisation mit dem Namen „Graue Wölfe“. Sie bezeichnen sich auch als „Idealisten“ (türk.: Ülkücü) und können dann in sogenannten „Idealisten-Vereinen“ organisiert sein.

In Deutschland nennen sich ihre Organisationen dann z.B. „Büyük Ülkü Ocagi“ (Großer Idealisten-Verein). Die sogenannte Ülkücü-Bewegung fußt auf einer nationalistischen und rassistischen Ideologie. „Das Ziel dieser Bewegung ist der Schutz des Türkentums sowie als Fernziel die Wiedererrichtung von ‚Turan‘, einem (fiktiven) ethnisch homogenen Staat unter Führung der Türken“, d.h. eines neuen Türkenreiches, heißt es schon 2017 im Verfassungsschutzbericht (PDF, S. 243). Die ideologische Bandbreite der Bewegung reicht vom Kemalismus bis zum Islamismus. „Im Gegensatz zu den westeuropäischen Sozialdemokraten, die als Arbeiterparteien begannen, liegt der Ursprung der türkischen Sozialdemokratie in der nationalistischen Bewegung.“1

Obwohl der Staatsgründer Mustafa Kemal Atatürk laizistisch und „westlich“ orientiert war, hat der Kemalismus der Republikanischen Volkspartei CHP bis heute eine starke nationalistische Komponente. „Sie bezeichnet sich als republikanisch, nationalistisch, populistisch, etatistisch, laizistisch und revolutionär.“2 Die Parole „ein Staat, eine Sprache, eine Flagge, eine Nation“ hat sich die CHP wie auch die AKP und MHP zu eigen gemacht. Sie alle erkennen in der Türkei keine Minderheiten an. Darunter haben unter anderem die Kurden bis heute zu leiden.

Bekanntestes Erkennungszeichen der „Grauen Wölfe“ ist der Wolfsgruß, in Deutschland auch als „Leisefuchs“ in Schulen bekannt. Ein weiteres Symbol ist die Fahne „Üc Hilal“ (dt.: drei Halbmonde). Die drei Halbmonde im Logo der Grauen Wölfe stehen für:

1. Die Einheit aller Turkvölker in Turan, der Legende nach die Urheimat und auch künftig wieder in neuen Grenzen die gemeinsame Heimat der Türken.

2. Die „Islamische Einheit“ im Sinne einer „Türkisch-Islamischen Einheit“, der auch nicht-türkische, jedoch muslimische Völker angehören können.

3. Die „Türkische Weltherrschaft“, die mit einer globalen Islamisierung einhergeht.

Dass auch Kemalisten eine ideologische Nähe zum nationalistischen Türkentum haben zeigt sich u.a. daran, dass auch führende Politiker der CHP wie der Vorsitzende der CHP, Kemal Kilicdaroglu den Wolfsgruß zeigten. „Der CHP – Bürgermeister von Ankara, Mansur Yavas, gilt selbst als Anhänger der Grauen Wölfe und gehörte lange deren Mutterpartei MHP an.“3 Bei Erdogan und führenden AKP-Politikern gehört das Zeigen des Wolfsgrußes zur alltäglichen Praxis. Die MHP ist seit 2016 ein Bündnispartner der regierenden AKP von Präsident Recep Tayyip Erdogan.

In der Türkei sind die Grauen Wölfe eng mit der faschistischen Partei der Nationalistischen Bewegung (MHP) verbunden und gelten als ihr paramilitärischer Arm. Zum Spektrum der Grauen Wölfe gehört auch die von der MHP abgespaltene islamisch-nationalistisch orientierte BBP (Große Einheitspartei). Die Mörder des im Jahr 2007 in Istanbul erschossenen armenisch-türkischen Journalisten Hrant Dink stammen aus dem Umfeld dieser Partei.

weiterlesen