Lasst uns endlich den Laizismus üben


Kein Regenbogenheiligenschein für die Jungfrau Maria, ein seltsames Verhältnis zu Abtreibung: Die westliche Welt muss in Sachen Laizismus noch verdammt viel lernen

Beate Hausbichler | DERSTANDARD

Verstörende Bilder von Passionsspielen in Mexiko. Dass diese Gefühle von Atheist*innen verletzen könnten, würde allerdings kaum jemand behaupten. Warum eigentlich? Foto: imago images / ZUMA Press

Der Ausruf war in jeder Hinsicht passend. „Um Himmels willen! Ich werde mich nicht schuldig bekennen, religiöse Gefühle verletzt zu haben!“, rief Elżbieta P., als sie mit ihrer Joanna G. in Polen vor Gericht saß – weil die beiden Frauen einem Bild der Jungfrau Maria einen regenbogenfarbenen Heiligenschein verpasst und damit auf einer Demo protestiert hatten. Die Regenbogenfarben symbolisieren bekanntlich den Kampf von Menschen unterschiedlichster sexueller Orientierung für Gleichberechtigung. Wenn dieser Kampf mit der Muttergottes in Verbindung gebracht wird, ist also Feuer auf dem Dachstuhl der „religiösen Gefühle“ – zumindest im strengkatholischen Polen.

Doch man könnte getrost fragen, wer sich durch so eine Anzeige eigentlich beleidigt fühlen könnte: Katholik*innen, die ihre Jungfrau Maria durch einen Kampf gegen Diskriminierung geschändet fühlen? Oder nichtheterosexuelle Menschen, deren Einsatz für ihre Rechte ein katholisch geprägtes Land inklusive Justiz als Beleidigung auffasst? Ist es nicht vielmehr beleidigend, das als Beleidigung aufzufassen?

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