Nord- und Ostsee: Zeitbomben am Meeresgrund


Gigantische Mengen an Weltkriegsmunition verrotten in Nord- und Ostsee. Sie stoßen Schadstoffe aus – und müssen schnellstens geborgen werden, fordern Wissenschaftler.

Michael Stocks | tagesschau.de

Die Fundstücke verrotten – das macht sie zunehmend gefährlich. | Bildquelle: Michael Stocks

Es sollte die Entmilitarisierung des besiegten Nazi-Deutschlands voranbringen: Geschätzte 1,6 Millionen Tonnen an Sprengkörpern und Munitionsresten wurden im Auftrag der Alliierten nach der Kapitulation Deutschlands 1945 in Nord- und Ostsee verklappt. Eine schier unglaubliche Menge an Waffenresten – Fachleute vergleichen die entsorgte Menge mit einem Güterzug von Madrid bis Berlin, vollbeladen mit Munitionsresten. Dazu kommen Blindgänger und Minen, die seit dem Kriegsende auf dem Meeresboden vor sich hinrotten.

„Die Munition des zweiten Weltkriegs liegt immer noch auf dem Meeresgrund, und auch die Munition vom ersten Weltkrieg“, stellt Jens Greinert fest, Wissenschaftler am Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel. „Das ist hundert Jahre her – und hast du immer noch mit den Lasten des Kriegs zu tun!“

Ein Problem der gesamten Region

Er weiß, es ist nicht nur ein Problem, dass Deutschland betrifft. In allen Anrainerstaaten von Nord- und Ostsee gibt es diese Belastung. Internationale Zusammenarbeit ist da wichtig. Wie zum Beispiel bei neuen Techniken, um Kampfmittel schneller und kostensparender auf dem Meeresgrund zu erkennen.

BASTA heißt das Projekt, das beim GEOMAR koordiniert und von der EU finanziert wird. Es geht darum, autonome Unterwasserfahrzeuge smart zu machen, so dass sie selbstständig Munition im Meer aufspüren können. Das machen die Kieler zusammen mit belgischen Kollegen.

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