Ist das das Angesicht Gottes?


Zu den Zehn Geboten gehört das strenge Verbot, ein Bildnis von Gott anzufertigen. Nun behaupten israelische Archäologen jedoch, eine Figur mit dem Antlitz des Gottes Israels in der Nähe von Jerusalem gefunden zu haben. Unter Altertumsforschern ist ein Streit entbrannt.

Till Magnus Steiner | katholisch.de

Stellt dieses Gesicht einer Figur, das Archäologen in Israel nahe Jerusalem gefunden haben, das Angesicht Gottes dar? Darüber streiten sich jedenfalls mehrere Wissenschaftler. Bild: ©Photo Clara Amit, Courtesy of the Israel Antiquities Authority

Der menschenähnliche, 5 Zentimeter große Figurenkopf hat hervorstehende Augen, Ohren und eine Nase. Die Oberseite des Kopfes ist flach. Die Augen sind zwei Tonklumpen, die punktiert wurden, um die Iris darzustellen. Die Ohren sind durchstochen und die Figur trug wahrscheinlich Ohrringe. Um den oberen Teil des Kopfes befindet sich ein Kreis von Löchern. Diesen Figurenkopf, den der israelische Archäologe Yosef Garfinkel bei Ausgrabungen in Khirbet Qeiyafa, 25 Kilometer südwestlich von Jerusalem, gefunden hat und in die frühe Königszeit, ins 10. Jahrhundert v. Chr., datiert, identifiziert er als eine plastische Darstellung JHWHs – des Gottes Israels, der in den Zehn Geboten seinem Volk gebietet: „Du sollst dir kein Kultbild machen und keine Gestalt von irgendetwas am Himmel droben, auf der Erde unten oder im Wasser unter der Erde.“ (Exodus 20,4)

Zwei vergleichbare Figurenköpfe aus dem 10. Jahrhundert v. Chr. wurden vor kurzem auch in Moza, einem wichtigen Verwaltungszentrum des damaligen judäischen Königtums gefunden. Sie wurden in dem Vorhof eines wahrscheinlich kultischen Gebäudes entdeckt. Auf den Wangen und dem Kinn einer der Figurenköpfe verläuft eine Reihe von kleinen Einstichen, die von einer Seite zur anderen verlaufen, einen Bart darstellen und damit die Figur als Mann ausweisen. Zudem wurden im direkten Fundkontext auch zwei Tonpferde ausgegraben, die nach Einschätzung Yosef Garfinkels zu den Figurenköpfen gehören.

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