„‚Fluch den Juden! Sieg dem Islam!‘ Das müssen alle Kinder in der Schule rufen“


Der Krieg im Jemen hat laut UN die schlimmste humanitäre Katastrophe unserer Zeit ausgelöst. Deutschland könnte helfen, die Tragödie zu beenden, sagt Jemens Botschafter in Berlin, Yahia Mohammed al-Shaibi. Doch dafür müsse Berlin einen Konflikt wagen.

Daniel-Dylan Böhmer | WELT

Der Botschafter des Jemen, Yahia Mohammed al-Shaibi, wünscht sich, dass Deutschland den Iran dazu bewegt, den Huthi-Rebellen keine Raketen mehr zu liefern Quelle: Marlene Gawrisch / WELT

Der Bürgerkrieg im Jemen eskalierte 2015, als die von Iran unterstützten Huthi-Rebellen die Hauptstadt Sanaa eroberten und die gewählte Regierung vertrieben. Erst nachdem eine von Saudi-Arabien geführte Militärkoalition gegen die Huthi eingriff, konnte die Regierung ihre Kontrolle in Teilen des Landes zurückerlangen. Ihr Botschafter in Berlin, Yahia Mohammed al-Shaibi, sieht gerade jetzt eine Chance für den Frieden.

WELT: Herr Botschafter, nach Angaben der Vereinten Nationen ereignet sich im Jemen gerade die größte humanitäre Katastrophe unserer Zeit. Was bedeutet das konkret für die Menschen in Ihrem Land?

Yahia Mohammed al-Shaibi: Es ist unvorstellbar, wie schlimm die Lage durch die Aggression der Huthi-Rebellen geworden ist. Unser Land ist auf Unterstützung von außen angewiesen. Aber ein Großteil der Hilfe kommt gar nicht bei den Bedürftigen an. Denn 70 Prozent der Hilfsgüter kommen durch die Hafenstadt Hudeida ins Land, die unter Kontrolle der Huthi steht, und statt sie an die Bevölkerung weiterzugeben, verkaufen die Huthi und ihre Verbündeten die Hilfsgüter zu überhöhten Preisen, um damit ihren Krieg zu finanzieren.

Mark Lowcock, der Leiter des Amtes der Vereinten Nationen für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten, hat schon gewarnt, dass die Hilfe für den Jemen eingestellt werden müsse, wenn sich in Sachen Korruption nicht endlich etwas ändert.

Ein Großteil der Bevölkerung lebt von der Landwirtschaft. Um die Pumpen zu betreiben, mit denen Wasser aus tieferen Erdschichten gefördert wird, braucht es Öl und Dieseltreibstoff. Aber Benzin ist unerschwinglich teuer geworden, weil die Huthi den Treibstoff, den sie zu Weltmarktpreisen geliefert bekommen, zu Wucherpreisen weiterverkaufen. So können nicht genug Nahrungsmittel produziert werden. Die Vereinten Nationen schätzen, dass die Ernährung von etwa 70 Prozent der Bevölkerung bedroht ist.

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