Hohenzollern und Nationalsozialismus: Militarismus und echte Führerliebe


Historikerin Karina Urbach hat geheime Berichte einer Journalistin ausgewertet. Sie belegen: Auch die adligen Preußen-Frauen warben für Hitler.

Karina Urbach | taz

Kronprinzessin Cecilie von Preußen (Pickelhaube), Viktoria Luise (Totenkopfmütze), Postkarte 1914 Foto: imago

Die Amerikanerin Sigrid Schultz führte ein Doppelleben. Als Journalistin ging sie in den 1930er Jahren bei den Partys der Natio­nal­sozialisten ein und aus. Sie interviewte Hitler, war mit Göring befreundet und kannte jeden in der Berliner Gesellschaft.

Ihr Arbeitgeber, die Chicago Tribune, war eine konservative Zeitung die die amerikanischen Isolationisten unterstützte. Sigrid Schultz teilte weder die Ansichten ihrer Vorgesetzten in Chicago noch die der Nationalsozialisten. Sie hatte Hitlers Aufstieg aus nächster Nähe miterlebt und ahnte sehr früh, wie gefährlich er werden würde. Seit 1925 leitete sie das Berliner Büro der Chicago Tribune, damals eine ungewöhnliche Ehre für eine Frau.

Rein äußerlich entsprach sie dem nordischen Ideal des NS-Regimes. Und die Nazis stuften sie als zuverlässig ein. Während ihre Kollegen Dorothy Thompson und Sefton Delmer im Laufe der Jahre ausgewiesen wurden, durfte Schultz bis 1941 bleiben. Das lag auch an ihrem geschickten Doppelspiel. Kritische Artikel schrieb sie unter dem Männernamen John Dickson und sorgte dafür, dass sie mit der Unterzeile „aus Oslo“ oder „aus Kopenhagen“ veröffentlicht wurden.

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