Das letzte Gefecht um Alaska


1804 griffen russische Soldaten das wichtigste Fort der Tlingit in Alaska an und vertrieben die indigenen Einwohner. Archäologen haben nun die Überreste der Befestigungsanlage entdeckt, in der die Verteidiger bis zuletzt ausgeharrt hatten.

Hubert Filser | Süddeutsche Zeitung

Der Anführer der Tlingit trug angeblich eine Rabenmaske und war mit einem eisernen Hammer bewaffnet. (Foto: Public Domain)

Der letzte Angriff kam vom Meer. Der mächtige Dreimaster Neva feuerte aus schweren Geschützen. Doch die meisten Kanonenkugeln flogen über das Fort der Tlingit hinweg und schlugen im dahinter liegenden Sumpfland ein oder prallten an den Palisaden ab. In dieser Nacht im Oktober 1804 hatten die Ureinwohner Alaskas noch Glück. Die Tlingit wussten aber auch: Das hölzerne Fort würde gegen den massiven Beschuss nicht lange standhalten – zumal die eigenen Munitionsreserven dahinschwanden. So beschlossen die Tlingit-Clans, noch in der Nacht nach der letzten Attacke der russischen Kolonisationstruppen das Fort zu verlassen und im Hinterland Schutz zu suchen. Alaska war damit verloren – es war das Ende des letzten großen Kampfes, die russischen Truppen unter Kommandant Alexander Baranow übernahmen die Insel vor der Küste Alaskas.

Forscher der Universität Cornell um Thomas Urban haben nun die Spuren der letzten Schlacht mithilfe von Radartechnik geortet, wie sie in der Februarausgabe des Fachmagazins Antiquity berichten. An der Küste der heutigen Stadt Sitka im Südosten Alaskas lokalisierte der Forscher den Standort des hölzernen Forts. Die aufwendig befestigte Anlage lag an der Mündung des Indian River. Und sie war von historischer Bedeutung: Im Herbst 1804 stellte das Fort die letzte Bastion der indigenen Tlingit-Clans dar, die sich so vor der russischen Besetzung Alaskas schützen wollten.

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