Trotz Säkularisierung: In den USA gehören Bibelzitate zur Politik


Demokraten, Republikaner, Biden und sogar Trump: sie alle bemühen Psalmen und andere Bibelsprüche.

Christine Brink | DER TAGESSPIEGEL

Amtseinführung: Joes Biden leistete seinen Eid als US-Präsident auf der 125 Jahre alten Familienbibel.Foto: Andrew Hamik, dpa

Wer hat auf all seinen Münzen und Banknoten Gott mit dabei? Die Vereinigten Staaten von Amerika. „In God We Trust“, das Motto des Staates ist in jede Münze eingeprägt. Das Motto prangt im Abgeordneten Haus zwischen Uhr und Fahne. Es gibt Nummernschilder einiger Bundesstaaten, die dieses Motto ziert, ebenso Schulen oder Universitäten. Amerika ist zwar auch immer säkularer geworden, aber doch immer noch weit religiöser als die europäischen Staaten.

Der Gott auf den hier proklamativ gebaut wird, ist nicht einer Denomination zugeordnet, sondern Ausdruck des Grundverständnisses, dass es jenseits der weltlichen eine höhere Macht gibt.

Wortwörtlich gibt es den Satz in der Bibel nicht, aber es gibt Psalmen wie etwa 91,2 oder 40,4 oder 118,8, die dem Motto sehr nahekommen. Zwei Suren im Koran geben ihn wörtlich wider. Die Allgegenwart Gottes wird auf der Ein-Dollar-Note auch noch durch das Auge Gottes dokumentiert, entsprechend Sprüche Salomons 15,3: „Die Augen Gottes schauen an allen Orten beide, die Bösen und die Frommen.“ Und das alles bei doch strikter Trennung von Staat und Religion. Die Pilger, die einst auszogen, ihre und nicht die verordnete Religion auszuüben, wollten es so.

weiterlesen