Sexualisierte Gewalt in der Kirche: Woelki muss gehen


Es gibt keinen besseren Grund für den Austritt aus der Kirche als einen lügenden Oberhirten. Jeder Austritt schwächt aber auch das Lager der Aufklärer.

Stefan Hunglinger | taz

Wer noch einen letzten Schubs gebraucht hat, hat ihn bekommen. Bis Ende April sind in Köln mehr als 2.000 Onlinetermine für Austritte aus der katholischen Kirche ausgebucht. Über Gründe für die Austrittswelle könne man nur spekulieren, sagt das Kölner Amtsgericht in angemessen weltanschaulich-neutraler Manier. Doch dass die nicht enden wollende Farce um den Kölner Erzbischof Rainer Maria Woelki der wahrscheinlichste und noch dazu ein guter Grund zum Austritt ist, liegt auf der Hand.

Was sollte ei­ne*n zum Entzug der persönlichen Kirchensteuerkraft bringen, wenn nicht ein Oberhirte, der bei der ohnehin zögerlichen Aufarbeitung der sexuellen Gewalt im Bereich der Kirche lügt, zensiert und den zur Verhinderung der Gewalt eingeschlagenen Demokratisierungsprozess des Synodalen Weges als quasi-protestantische Verirrung diffamiert. Ein Austritt in diesen Größenordnungen macht noch einmal klar: Ein Bischof hat nur die Macht, die ihm Ka­tho­li­k*in­nen zugestehen – oder eben entziehen.

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