Warum Iran über eine Fatwa, eine Katze und die Atombombe diskutiert


Irans Geheimdienstminister hat erstmals offen mit der Entwicklung von Atomwaffen gedroht, sollte das Land in die Enge gedrängt werden. Dies widerspricht nur scheinbar einer Fatwa des Revolutionsführers, wonach Atomwaffen im Islam verboten sind.

Ulrich von Schwerin | Neue Zürcher Zeitung

«Wenn du eine Katze in die Enge treibst, wird sie möglicherweise Dinge tun, die eine freie Katze nicht tun würde», sagte Geheimdienstminister Mahmud Alavi mit Blick auf die Entwicklung von Atomwaffen. Iranian Presidency / Zuma / Imago

Ayatollah Ali Khamenei 2003 eine Fatwa, wonach die Produktion, die Lagerung und der Einsatz von Atomwaffen gemäss dem islamischen Recht «haram» seien. Vertreter des Regimes verweisen seither immer wieder auf diese Fatwa, um zu versichern, dass das iranische Atomprogramm allein friedlichen Zielen diene.

Doch nun hat Geheimdienstminister Mahmud Alavi in einem Interview erstmals mit dieser Position gebrochen. «Der oberste Führer hat erklärt, dass die Entwicklung von Atomwaffen gegen das islamische Gesetz verstösst. Doch wenn du eine Katze in die Enge treibst, wird sie möglicherweise Dinge tun, die eine freie Katze nicht tun würde», sagte Alavi am Montag im Staatsfernsehen. «Wenn Iran in diese Richtung gedrängt wird, ist das nicht Irans Schuld.»

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