Adenauers Geist im Dunstkreis der Grünen


Neue Rechte – Altes Denken: Zum Antifaschismus der „liberalen Moderne“ gehört eine große Portion Antikommunismus. Anmerkungen zu Spengler und Heidegger

Johannes Schillo | TELEPOLIS

Rinks gleich lechts. Bild: Wikimedia Commons / Public Domain CC BY-SA 4.0

Mit dem Erstarken der AfD, der Ausbreitung eines neuen Rechtspopulismus, der Entwicklung neuer Protestformen à la Identitäre Bewegung und der Etablierung rechter Think Tanks kommen alte Denker aus der nationalen Ecke oder der „Konservativen Revolution“ wieder zu Ehren. Sie erfreuen sich teils breiter Anerkennung und werden gleichzeitig zur Berufungsinstanz des modernen Rechtsradikalismus.

„Was macht Heideggers Denken so attraktiv für die antidemokratische Rechte?“, fragte etwa der Erziehungswissenschaftler Micha Brumlik im Rahmen eines Projekts, das von der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) und dem Bundesfamilienministerium (BMFSFJ) über das Bundesprogramm „Demokratie leben!“ gefördert wurde – das also für die pädagogische Arbeit in der BRD offiziell approbiert ist. Brumliks Schluss: Martin Heideggers frühes Jahrhundertwerk, das 1927 erschienene, als Meilenstein der Existenzphilosophie hochgelobte Buch „Sein und Zeit“, hat auch als „Inbegriff der völkischen Philosophie“ zu gelten, wie es im Sammelband „Das alte Denken der Neuen Rechten“ heißt. Herausgegeben wurde dieser von Ralf Fücks und Christoph Becker.

Das Projekt mit der dazugehörigen Publikation, die Ende 2020 in die Schriftenreihe der bpb übernommen wurde, sollte die Auseinandersetzung mit neurechter Ideologie in einen größeren historischen Kontext stellen. Von den „prägenden Köpfen“ der nationalen Opposition in Deutschland zu Beginn des 20. Jahrhunderts wie Ernst Jünger, Carl Schmitt, Martin Heidegger, Oswald Spengler oder Arthur Moeller van den Bruck – bis hin zu den nachgeborenen Konservativen und Rechtsradikalen aus dem In- und Ausland wie Armin Mohler, Konrad Lorenz, Botho Strauß, Alain de Benoist oder Alexander Dugin.

Als „Klassiker der islamistischen Ideologie“ wird in diesem Kontext der Ägypter Sayyid Qutb präsentiert, im Blick auf die Kunst der Komponist Richard Wagner mit seinem „notorischen Antisemitismus“ – und als Gegenbeispiel eines demokratischen Lernprozesses Thomas Mann.

Liberale Antifa: gegen links und rechts

Das Projekt „Gegneranalyse – Antiliberales Denken von Weimar bis heute“ wurde mit Trägerschaft des „Zentrums Liberale Moderne“ durchgeführt. Diese 2017 von den Grünen-Politikern Marieluise Beck und Ralf Fücks gegründete, aber parteiübergreifende und von verschiedenen Seiten gesponserte Initiative tritt für die „Verteidigung und Erneuerung der liberalen Moderne“ ein. Das Projekt dokumentiert also zuerst ein Bedürfnis von grüner Seite, ein weltanschauliches Feld, nämlich den Liberalismus und dessen verlogenen Kampfbegriff der „offenen Gesellschaft“, zu besetzen.

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