Philosophieren heisst über die Grenzen des Denkens hinausgelangen: was Platon mit der modernen Physik verbindet


Was ist Sein? Was heisst Bewusstsein? Seit über zweitausend Jahren werden diese Fragen gestellt. Jens Halfwassen hat sie für die moderne Philosophie fruchtbar gemacht.

Julia Hänni | Neue Zürcher Zeitung

Das, was wir sehen, und das Wesentliche, was dahintersteht: Platons «Höhlengleichnis», Zeichnung von Markus Maurer (1996). Gabriele Veldkamp, Markus Maurer / CC BY-SA 3.0

Platonische und neuplatonische Philosophie stellt sich die ursprünglichsten Fragen der Philosophie: ob es ein beständiges Individuelles im Menschen gibt, wie dieses die äussere Welt erfährt und was seine Bestimmung ist. Asiatische Schulen der Philosophie, die sich diesen Fragen ebenfalls widmen, stossen im Westen zunehmend auf Interesse und finden auch Eingang in die Wissenschaft. Es liegt deshalb nahe, gewisse Aspekte der metaphysischen Tradition des Okzidents in Erinnerung zu rufen.

Der vor einem Jahr verstorbene deutsche Philosoph Jens Halfwassen (1958–2020) hat es auf eindrückliche Weise getan. Er näherte sich den Grundfragen der platonischen und neuplatonischen Philosophie auf dem Hintergrund einer umfassenden Kenntnis der antiken Philosophie und mit einer stringent-logischen Begrifflichkeit. Herausragend sind dabei seine Reflexionen über die Individualität – die Unteilbarkeit des Menschen im ursprünglichsten Sinne des Wortes – und seine Überlegungen zum Phänomen der Zeit. In beiden ergeben sich Berührungslinien zur modernen Physik.

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