Der unbequeme Vater der künstlichen Intelligenz wohnt in der Schweiz


Jürgen Schmidhuber forschte an selbstlernenden Algorithmen, als das noch ein Geschäft für Träumer war. Aus seinem Forschungslabor im Tessin kommt Deep Mind, eine der erfolgreichsten KI-Firmen. Doch in der Forschungswelt ist er ein Aussenseiter.

Ruth Fulterer | Neue Zürcher Zeitung

Jürgen Schmidhuber verfolgt seit Teenager-Jahren seinen Traum von selbstdenkenden Maschinen. Wolf Heider-Sawall / Laif

«Die meisten Leute wissen nicht, wo die Spracherkennung herkommt.» Es liegt ein wenig Bedauern in Jürgen Schmidhubers Stimme, als er das feststellt. Denn sie kommt von ihm. Kürzlich, in China, sei ein Mann auf ihn zugekommen bei einer Konferenz, habe sich vor ihm verbeugt: Was für eine grosse Ehre, ihn zu treffen!

Jürgen Schmidhuber, gebürtiger Bayer, Informatikprofessor und Unternehmer, erzählt von der Episode in China in einem Bistro im Zentrum von Lugano, für das er in seinem Anzug ein wenig zu elegant wirkt. Wenige hundert Meter von hier befinden sich sowohl sein Institut an der Università della Svizzera Italiana als auch die Büros seines Startups für künstliche Intelligenz (KI). Dazwischen Palmen, Magnolien und lehmgelbe Fassaden.

Dem Mann, der sich damals vor Schmidhuber verbeugt hat, gehört ein Startup für Sprachverarbeitungs-Software, das mehr als eine Milliarde Dollar wert ist. Ohne Schmidhubers Erfindungen würde es nicht existieren. Dasselbe gilt für die Sprachassistenten von Amazon und Apple.

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