„Die Kirche kann nicht machen, was sie will“


Vor der Tagung der Bischofskonferenz spricht der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, über die Aufarbeitung des Missbrauchs und den Kölner Kardinal Woelki.

Joachim Frank | Frankfurter Rundschau

Auch der „Synodale Weg“ und damit die Rolle der Frau in der Kirche ist Thema bei der Konferenz. ©Michael Schick

Herr Rörig, die von Ihnen berufene Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs hat die Vorgänge im Erzbistum Köln als Negativbeispiel für Aufarbeitung kritisiert. Teilen Sie diese Position?

Die Kommission ist – wie der Name schon sagt – unabhängig, auch von mir. Ich persönlich sehe die „Kölner Wirren“ als Störung der unabhängigen Aufarbeitung in den einzelnen Diözesen, die gerade in den Startlöchern steht. Kardinal Woelki hat zunächst einmal 2018 die richtige Entscheidung getroffen, bei der Münchner Kanzlei Westpfahl Spilker Wastl (WSW) ein Gutachten in Auftrag zu geben mit dem Ziel voller Transparenz samt Namensnennung von Verantwortlichen.

Ein Gutachten, das er nach Gutdünken publizieren oder in die Schublade legen kann.

Im Ergebnis ist das sicher eine schwere Belastung, insbesondere für die Betroffenen und die in der Aufarbeitung Engagierten. Aber zunächst einmal ist Kardinal Woelki als konservativer Kirchenmann vorangegangen. Er hätte sich auch, wie andere, hinstellen und sagen können: Ich mache erst mal gar nichts. Das hat er nicht getan, im Gegenteil. Mit seiner Initiative hat er sehr, sehr hohe Erwartungen geweckt. Die hat er dann auf der Strecke mehrfach enttäuscht. Und im Moment fehlt es an dem, was für Aufarbeitung am wichtigsten ist: Transparenz und Vertrauen, Hoffnung, Zuversicht. Köln erzeugt gerade leider das Gegenteil: Misstrauen und Skepsis.

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