Ornithologie: Skandal im Anflug


Die Hottentottenente ist optisch eher unscheinbar. Man erkennt sie am dunklen Kopf, dem dunklen Nacken und dem blauen Schnabel. Sie quakt nicht wie andere Enten, sondern gibt Klicklaute von sich. Daher stammt wohl auch ihr Name: Spatula hottentotta lebt in Süd- und Ostafrika, wo mehrere Volksgruppen Khoisan-Sprachen mit Klick- und Schnalzlauten sprechen.

Titus Arnu | Süddeutsche Zeitung

Hottentottenente. Bild: Wikipedia/Guérin NicolasCC BY-SA 3.0

Während es als diskriminierend gilt, afrikanische Ethnien als Hottentotten zu bezeichnen, muss die Ente bis heute mit ihrem beknackten Namen leben.

Mohrenkopfpapagei, Zigeunervogel und Kaffernsegler haben ein ähnliches Problem: Ihre Namen passen nicht in unsere Zeit, weil sie als rassistisch gelten. Sie stammen aus einer Ära, als Forscher wie Alexander von Humboldt, Charles Darwin und James Cook in bis dahin unbekannte Weltregionen reisten und neu entdeckten Arten Fantasienamen verpassten – aus ihrer weißen, kolonialistisch gefärbten Sicht. Fast alles, was aus Afrika stammte und irgendwie dunkel gefärbt war, bekam die Vorsilbe „Mohr“ aufgedrückt – von der Mohrenlerche über den Mohrenibis bis zum Mohrenschwarzkehlchen. Mehr als 50 Arten tragen die Hottentotten im Namen.

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