Identitätspolitik: Wir leben davon, dass ihr euch schämt


Einspruch von links: Bernd Stegemann legt sich mit der identitätspolitischen Linken und der Cancel Culture an.

Gregor Dotzauer | DER TAGESSPIEGEL

Wer darf mitreden? Die Cancel Culture gewährt Sprechlizenzen und erteilt Redeverbote.Foto: Getty Images/iStockphoto

Das Unbehagen wächst, und es wächst allenthalben. Man muss längst nicht mehr die politische Seite wechseln, um die inquisitorischen Praktiken der kulturellen Linken als selbstgerechte Inszenierung zu erleben. Zornige Feministinnen wie die Pariser Publizistin und Filmemacherin Caroline Fourest hadern mit einer „Generation Beleidigt“ (Edition Tiamat), die universalistische Forderungen nach Gleichstellung und Gerechtigkeit an Geschlecht und Hautfarbe derjenigen knüpfen, die sie vortragen. Und sie rauft sich die Haare über die „neue Gotteslästerung“, derer sich noch die harmloseste Form „kultureller Aneignung“ bezichtigen lassen muss.

Fourests aus dezidiert französischer Perspektive geschriebener Essay mit dem Untertitel „Von der Sprachpolizei zur Gedankenpolizei“ ist vielleicht das Temperamentvollste, das man zu diesem Thema in diesen aufgeheizten Zeiten lesen kann.

Systemtheoretisch heruntergekühlt, wild entschlossen zur Abstraktion und mit ganz anders schreckgeweiteten Augen nimmt Bernd Stegemann, Professor für Theatergeschichte an der Berliner Hochschule Ernst Busch und Mitinitiator der linken Sammelbewegung Aufstehen, gleich die gesamte Epoche in den Blick.

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